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Album-Reviews

Channel Zero - "Kill All Kings" (Metal Blade Records)
Belgien bietet ja neben schönen Städten, guten Fußballern und dem grandiosen Film “Brügge sehen…und sterben” (u.a. mit Ralph Fiennes, Colin Farrell und Brendan Gleeson) auch gute Musik.
Channel Zero ist so eine Band. Sehr aktiv in den 90ern, dann eine lange Pause, vor knapp fünf Jahren ein fulminantes Comeback…
Mit „Feed ’Em With A Brick“ wurde ein sehr solides Groove-Comeback geschaffen. Es gab zur Reunion bereits einen Besetzungswechsel an der Gitarre (neu im Team ist Mikey Doling, damals Gitarrist und Gründer von Snot und ebenso jahrelang Gitarrist bei Soulfly).
Alle Zeichen waren auf Go gestellt, 2013 wurde bereits intensiv am neuen Album gearbeitet, als das völlig Unfassbare passierte. Phil Baheux, Drummer der Band und absolute Frohnatur, starb mit Mitte 40 völlig unerwartet an den Folgen einer Hirnblutung. Band und Umfeld waren mehr als geschockt. Die Band war am Abgrund. Nach reichlicher Überlegung hat man sich dann entschieden doch weiterzumachen. Unter der Regie von Logan Mader und mit Roy Mayorga (Stone Sour) an den Drums, wurde „Kill All Kings“ in Los Angeles eingespielt. Und es wurde alles richtig gemacht, aber nun Schritt für Schritt…

„Dark Passenger“ ist der Opener und der hat es mal so richtig in sich. Der Song ist geradeaus, der Song drückt und hat einen absolut catchy Refrain – grandioser Song. Was ein Opener – ich bin schwer begeistert.
Mit „Electronic Cocaine“ begeben sich die Jungs in etwas ruhigere Fahrgewässer, aber glaubt nicht dass es hier nun balladesk zugeht. Es wird einfach alles ein wenig schleppender – aber sehr atmosphärisch.
„Burn The Nation“ ist dann mal eine Abrissbirne par excellence. Das Ding drückt und groovt wie die Hölle. Das sind die typischen Channel Zero Trademarks. Roy treibt mit den Drums, traumhaft. Auch wieder ein Highlight auf der Scheibe. Das ist mal ein super Brett und nun stelle ich mir gerade Channel Zero im Livepaket mit Machine Head vor – ja, das würde passen (besonders wenn man diesen Song hört)
„Digital Warfare“ schlägt auch sehr treibend in eine ähnliche Kerbe, ist aber nicht so eine derartige Abrissbirne. Hier ist es alles ein wenig ruhiger, aber der Song könnte auch ohne weiteres „Kings Of Groove“ heißen – wobei ich kaum eine Band kenne, die einen derartigen Groove zaubern vermag.
„Ego“ startet bis auf die Drums fast andächtig ruhig, strahlt aber mit seiner unglaublichen Atmosphäre derart viel Esprit aus, bevor es sich schleppend durch den Song drückt, gespickt mit Druck und ab und an etwas mehr Tempo.
„Crimson Collider“ folgt und auch hier sind Groove und Druck die Schlagwörter, die sich weiterhin mit wunderbaren Gesangsmelodien durch den Song fräsen.
Normal betrachte ich ja eine Band in der Regel als Gesamtes, aber den Hut ziehen kann man immer wieder vor Franky De Smet-Van Damme, neben der Tatsache dass er ein wirklich ausgesprochen sympathischer und lustiger Zeitgenosse ist, ist er auch ein grandioser Frontmann und Sänger. Er hat schon eine wirklich vielschichtige und individuelle Stimme, welche dem typischen Channel Zero Groove-Sound den richtigen Stempel aufdrückt. Ob Ballade oder Thrashgranate – Franky kann es irgendwie alles…und das gut.

Nun aber zum nächsten Stück – dem Titelstück… „Kill All Kings“.
Der Song ist ein Stampfer vor dem Herrn, reiht sich wunderbar in das Gesamtbild ein. „Brothers Keeper“ ist dann mal ein ganz spezieller Song und einer meiner Favoriten auf der Scheibe. Der Song ist sehr sehr schleppend und gerade im Gesangsbereich sehr emotional vorgetragen. Ein gutes Beispiel für die Stimmvielfalt vom Sänger. Kennt jemand von Euch ehemalige Band Skitsoy, in welcher Franky während der langen Pause von Channel Zero sang? Da gab es einen sehr persönlichen Song mit dem Titel „Never Forgive“, welcher mich irgendwie an „Brothers Keeper“ erinnert. Müsst Ihr mal hören…
„Brothers Keeper“ ist alles andere als eine Thrash- oder Groove-Granate – hier ist Emotion mit musikalischen Gefühlsausbrüchen gepaart.
„Army Of Bugs“ ist im Anschluss wieder ein typischer Channel Zero Groover, mit dem ich aber so ein wenig auf Kriegsfuß stehe. So richtig werde ich mit dem Song nicht warm. Begründen kann ich es irgendwie nicht, aber das ist schon Heulen auf hohem Niveau.
„Mind Over Mechanics“ ist dann wieder in meine Richtung und erinnert mich in seiner Ausrichtung ein wenig an „Digital Warfare“ vom Anfang.
Und dann geht es rund…schön thrashig und aufs Mett gibt es dann einen Song in Landessprache, bzw. vielmehr in Kombination von Flämisch und Französisch (zumindest das was ich so interpretiere).
„Duisternis“ ist ein richtiger Kracher und ballert sich ordentlich durch den Tag – super Idee den Song in genau der Konstellation von Sprache und Sound so zu schreiben. Ich finde den grandios. Ballert ordentlich, steigert sich gut und macht enorm Spaß.
Das große Finale ist dann auch gleich mal der sehr persönliche und emotionale Song „Heart Stop“, welcher in akustischer Form schon kurz nach dem Tod von Drummer Phil aufgeführt wurde. Hier trug er den Titel „Angel“ und war eine Hommage an den viel zu früh verstorbenen Drummer.

Es ist natürlich von Vorteil dass ich die Songs schon fast alle live genießen konnte, da ich seinerzeit bei der Release Show zur Scheibe in Brüssel zugegen war und mich die Songs schon da überzeugen konnten.
Ich bin begeistert, diese Scheibe wächst mit jedem Durchlauf, diese Scheibe ist zeitlos modern, super produziert, absolut abwechslungsreich, groovt wie die Hölle und ist ein wirklicher Meilenstein in der Channel Zero Diskographie - neben der aktuellen Motorjesus Scheibe „Electric Revelation“ mein bisheriges Highlight in Sachen VÖ’s im WM-Jahr 2014…

9,5 | 10 Punkten - Jens Krause

Reviews zum Thema "Channel Zero"

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