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Letzte Instanz
Die Letzte Instanz war stets ein Exot im deutschsprachigen Rock und Metal Metier. Mit ihrem bunten und überaus originellen Stilmix erspielten sich die sieben Musiker eine stetig wachsende Fanbase und waren nicht zuletzt Live ein Garant für beste Unterhaltung. Doch nichts ist bekanntlich für die Ewigkeit und als Sänger Robin nach der Veröffentlichung der letzten Studio CD Kalter Glanz und der nachfolgenden Tour den Hut zog und sich von seinen Mitmusikern verabschiedete, schien die Zukunft bei der Instanz nicht unbedingt rosig. Lange Zeit war es still und noch nicht einmal die Band wusste ob und wie es weitergehen sollte. Doch das ist Schnee von gestern, Anfang Februar steht Ins Licht in den Läden und führt uns garantiert nicht dahinter. Ganz im Gegenteil, man bekommt eine gereifte Formation präsentiert, die selten soviel Spielfreude, derartige Energie und Power an den Tag gelegt hat.

Gemeinsam mit Holly D. ließen wir die Geschichte noch einmal Revue passieren und setzen in dem Moment an, als dieser von den Ausstiegsplänen seines damaligen Sängers erfuhr. „Ich war zunächst sehr überrascht und natürlich erschüttert. Später dann stinksauer. Ich hatte Robin auf der Tour im Herbst 2003 mehrfach auf die Zeitplanung der Instanz für 2004 angesprochen und nie eine vernünftige Antwort bekommen. Einige Tage nach der Tour schickte er eine e-mail und teilte uns mit, dass das Kapitel Letzte Instanz für ihn beendet ist. Was dann im Einzelnen passierte möchte ich nicht breittreten. Für mich war dann schnell der Punkt erreicht, an dem ich auch keine Lust mehr hatte. Ich fuhr in den Urlaub, fing neue Projekte an, machte Dinge, zu denen ich in sieben Jahren Instanz nie Zeit hatte. Das Projekt „neuer Sänger“ hatten die verbliebenen Instanzler schon noch im Hinterkopf. Ich persönlich, das muss ich zugeben, habe nicht mehr daran geglaubt.“ Man steht sicherlich erst einmal vor einem Scherbenhaufen, genau wie nach einer zerbrochenen Beziehung und die Zukunft der Band stand einige Zeit in den Sternen. „Wenn wir keinen Sänger gefunden hätten, der Robin ersetzt oder gar toppt, dann hätte ich definitiv aufgehört“, gesteht Holly D. ein.
Abgeschlossen wurde dieses erste Kapitel würdevoll mit einer tollen Live-DVD, die neben einer Headlinershow noch jede Menge Extras zu bieten hatte. Zwar sind die Wunden von Holly D. nicht geheilt, dennoch kann sich der Gitarrist die Show mittlerweile ohne gemischte Gefühle anschauen. „Der neue Aufbruch versöhnt mit der Vergangenheit“, erklärt er poetisch und denkbar passend. „Die Wunden verheilen schneller als man glaubt, wenn man keine Zeit und keine Lust mehr hat sie zu lecken. Die DVD ist ein schönes Dokument von vielen Jahren Instanz. Die Songauswahl gefällt mir, der Sound ist auch gut. Irgendwie ist die DVD aber nicht nur eine Bestandsaufnahme sondern auch eine Art Schlußstrich, auch wenn wir das zum Zeitpunkt der Aufnahmen nicht gewusst, maximal geahnt haben.“ So kam es auch zum mentalen Befreiungsschlag, wie Holly fortführt. „Wir konnten ein paar alte Muster abstreifen, uns neu erfinden. Bei der Live-Show einer Band schleift sich über die Jahre viel ein. Jetzt haben wir die Chance etwas Neues zu machen.“
Der wichtigste Grund für diese neue Chance war die Entdeckung von Holly D’s Namenskollegen Holly, der fortan den vakanten Sangesposten neu besetzen sollte. „Wir haben den ersten, recht halbherzigen Versuch im Frühjahr 2004 gestartet, haben Anzeigen geschaltet, News rausgeschickt, auf der Homepage um Bewerbungen gebeten“, erinnert sich Holly D. zurück. „Im Herbst haben wir die Suche dann forciert. Potentiellen Sängern haben wir eine CD mit Instrumentalversionen von zwei alten und zwei ganz neuen Songs geschickt. Wir hatten zudem zwei „Casting-Tage“ und waren hinterher auch nicht schlauer. Irgendwie passte das alles überhaupt nicht. Auf Holly kamen wir dann über Umwege. M. Stolz und Herr Cellini haben eine Zeit lang bei Angelzoom mitgespielt. Bei der Studioarbeit hatten sie dann viel mit deren Produzenten Bernd Wendtland zu tun. Bernd wiederum kannte Holly aus einer Kneipe, dem Unterhaus in Berlin. Holly hatte vorher eine Band in Berlin, die Comuvnics und die war gerade in einem großen Krach auseinander gegangen. So kam der Kontakt Zustande, das war schon im Spätsommer 2004. Nach einem ersten Gespräch sah das alles noch nicht so gut aus, denn er musste erst noch ein paar Sachen aufarbeiten und Scherben zusammenfegen. Alles hat seine Zeit. Als wir im Dezember noch immer nicht weiter waren haben wir Holly noch mal angerufen. Es gab ein paar Stunden im Proberaum und später noch ein komplettes Probewochenende. Er kam, sah und siegte.“ Die Erleichterung ist dem Gitarristen, der nebenbei noch die Programmierungen und Backing Vocals übernimmt, förmlich anzumerken. Noch immer glänzen seine Augen, wenn er sich an diese ersten Proben zurückerinnert. „Ich hatte von Anfang an ein super Gefühl. Holly ist ein sehr herzlicher und immer fairer Mensch. Rumgeläster, Wutausbrüche, Bösartigkeiten machen ihn richtig traurig. Holly hat uns eine neue Kommunikationskultur beigebracht. Auch musikalisch hat es sofort funktioniert. Holly hatte am Anfang große Bedenken, dass er mit den harten Nummern nicht klar kommt. Seine bisherigen Projekte waren eher der ruhigen Art. Dass seine Vorbehalte grundlos waren seht ihr jetzt an Songs wie Tanz, Krieg der Herzen oder Hurra.“
Eine musikalische Kurskorrektur war somit vorprogrammiert, auch wenn es eigentlich im Kontext steht, dass Ins Licht das wohl härteste Album der Letzten Instanz geworden ist. „Wir haben uns auf jeder Platte irgendwie verändert. Haben auch über eben diese Entwicklung immer wieder Songs gemacht, z.B. Auf der Suche (von Kalter Glanz - 2001). Der krasseste Bruch passierte bei Götter auf Abruf, denn mit HipHop und NuMetal haben wir uns gerade in der dunklen Szene nicht nur Freunde gemacht. Aber das musste damals sein, das war unser Plan. Ins Licht ist eine Rückkehr ins Fahrwasser. Der Glanz ist sehr wohl ein anderer, für mich ein sehr viel musikalischerer. Holly singt, er ist immer ganz nah am Text und an der Instrumentierung. Das gesamte Album ist eine Einheit von Text, Musik und Ausdruck des Gesanges. Klingt simpel, ist aber verdammt schwer.“ Die Operation ist jedenfalls geglückt und Neuzugang Holly wurde komplett integriert, er steuerte unter anderem sämtliche Texte zu den 13 Tracks auf dem neuen Eisen bei. „Das ist wirklich ein Haufen Arbeit, wenn man bedenkt, dass alle Songs in weniger als einem halben Jahr entstanden. Die Texte sind schließlich alle sehr emotional und opulent in ihren Bildern. Holly versucht sich nicht immer in den gleichen Wortspielen zu verlieren, was ich wichtig finde, denn dadurch sind die Aussagen für mich sehr glaubhaft.“
Generell wirken die neuen Songs kraftvoller, dynamischer und lebendiger wie je zuvor; es scheint als breche etwas aus den Jungs aus, das bisher im Verborgen lauerte. „Genau so ist es“, pflichtet Holly bei. „Wir hatten eine sehr entspannte, angstfreie Atmosphäre und haben sehr konzentriert gearbeitet. Als wir den neuen Plattendeal mit Drakkar abgeschlossen hatten und das Studio gebucht haben waren die Stücke fast alle fertig. Wir konnten also wirklich ohne Druck Songs schreiben. Ich hoffe, das gelingt uns jetzt auch weiterhin, trotz Labeldeal.“ Sagt es und schmunzelt verschmitzt. „Die Lebendigkeit kommt aus der oben schon beschriebenen Symbiose aus von Text, Musik und Gesangsausdruck. Es ist alles ganz eng beieinander. Dynamik und Kraft kommen vor allem aus der guten Arbeit im Studio. Wir haben wenig mit Effekten gespielt, kaum gedoppelt, nicht getrickst. Die Songs klingen so, wie sie eingespielt wurden. Ich finde man hört, dass wir Zeit hatten unsere Arbeitsweise zu überdenken und zu verbessern. Eine Auszeit, ob gewollt oder erzwungen kann sehr lehrreich sein.“
Schaut man sich die Steckbriefe auf der Band-Homepage an, so fällt es auf, dass selten eine Metal Band unter den Favoriten der sieben Musiker zu finden ist. Meshuggah bildet hierbei die glorreiche Ausnahme. Dennoch klingt Ins Licht metallischer als jemals zuvor. „Wir hören verdammt unterschiedliche Musik und das ist auch gut so. Generell haben wir ein Problem mit Klischees. Metal ist vielseitig, manchmal aber auch sehr einfältig. Aber er ist bei uns schon salonfähig, muss dann aber gut und originell sein. Unser Gitarrist Oli hat hunderte Metal-Platten im Schrank, spielt auch selbst noch in einer extrem coolen Metal Band namens Frogstar Battle Machine. Wenn die neue Platte metallischer klingt, dann liegt das einfach an der Spieldynamik, keine flächigen Gitarren, sondern mitten in die Fresse. So soll es sein!“ Eine gewisse Vielseitigkeit ist dadurch sicherlich vorgegeben, die nicht zuletzt ein Trademark der letzten Instanz geworden ist. Jedes Opus war anders, auf Überraschungen und Veränderungen musste man immer gefasst sein. „Ein Garant für schnellen Erfolg ist Vielseitigkeit keineswegs. Man muss aufpassen, dass man kein ewiger Geheimtipp bleibt. Gerade die Medien versuchen gern Bands in Kisten zu stopfen und eine Plattenfirma versucht natürlich ihre Band zu verkaufen. Wenn man was verkaufen will, braucht man einen Aufkleber dafür. Ich habe schon oft von Journalisten außerhalb der Szene gehört, dass sie mit Instanz nix anfangen können. Ist das nun Metal, Goth- Rock, Chanson, Pop, Mittelalter? Wenn jemand anfängt darüber nachzudenken haben wir verloren, weil er unsere Musik nicht mehr sieht. Instanz soll berühren und eigenständig sein. Insofern haben wir, glaub ich einen guten Schritt gemacht ohne uns zu verbiegen. Entwicklung ist eben doch keine Illusion.“
In der Vergangenheit klangen oftmals sehr nachdenkliche, melancholische, ja sogar leicht depressive Stimmungen durch. Ganz anders auf dem neuen Opus, das weitaus positiver und freundlicher klingt. Die Wahl des Albumtitels scheint somit sehr treffend. „Die Sache ist doch die: Positives und Negatives sind zwei Seiten derselben Medaille. Wenn wir eine Platte über das Licht machen, dann schlißt diese die Dunkelheit mit ein. Die Texte bewegen sich sehr wohl in den Niederungen des Lebens, doch haben sie immer irgendwo einen Lichtblick und darum geht es doch, oder? Was bringt es tagaus tagein in Weltschmerz und Selbstmitleid zu vergehen. Wenn man schon in deutscher Sprache singt, dann doch bitte mit Sinn und Verstand.“
Bereits in der Vergangenheit hatte man bei der Instanz gerne mit Gastmusikern gearbeitet. Dieses Mal sind Eric Fish (Subway To Sally), Sven Friedrich (Zeraphine) und Thomas Lindner (Schandmaul) mit dabei und geben sich auf der Nummer Das Stimmlein die Ehre. Mit allen dreien verbindet Holly unterschiedliche Geschichten. „Eric kenne ich schon ewig, denn wir haben zig mal mit Subway To Sally gespielt. Ich habe Subway immer als Papaband der Instanz verstanden, auch wenn wir nie versucht haben so zu klingen. Sie haben uns aber schon ein Stück weit inspiriert. Sven Friedrich kenne ich noch aus den Dreadful Shadows Zeiten. Er hat auf unserer Kalter Glanz CD bei zwei Songs mitperformt, auch waren Zeraphine bei einem Teil der nachfolgenden Tour als Support dabei. Ich freue mich sehr, dass sie ihren Weg gegangen sind. Zu Schandmaul sind die Kontakte noch nicht so alt. Thomas haben wir diesen Sommer erst richtig kennen gelernt. Ich denke aber, dass wir in nächster Zeit öfter etwas miteinander machen. Die Zusammenarbeit hat riesig Spaß gemacht und ich finde Das Stimmlein auch richtig gelungen. Wir wollten einfach für die Szene und für uns einen Song machen, der außergewöhnliche Sänger mit niveauvollen Texten vereint. Ich bin sehr auf die Reaktion der Fans gespannt.“
Angst braucht der Gute keine zu haben, das Feedback dürfte durch die Bank euphorisch sein und die Band nicht nur erfolgreich zurückmelden, sondern sie auf der Karriereleiter noch ein ganzen Stück weiter nach oben bringen

Links:
Letzte Instanz
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