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Cannibal Corpse, Napalm Death, Kataklysm, Macabre, Goatwhore - The Pound - San Francisco (06.11.2004)
Goatwhore und Kataklysm hat der Autor leider nur in der gigantischen Warteschlange vor der Tuer des Pounds mitbekommen ;-) Klang alles amtlich aber für Urteil reicht der Eindruck nicht. Beim Reinkommen lief gerade die Umbaupause fuer Macabre aus Chicago ,die alsbald loslegten. Ihren Stil nennen sie selbst „Murder-Metal’ und vermögen dabei erfolgreich die notwendigen Klischees in Anschlag bringen: T-Shirts mit dem Aufdruck „Dead Girls just don’t say no!“ Kehlenaufschlitzgesten auf der Bühne und dergleichen. Die Musik?! Drei Vokuhilas zelebrieren eine technokratische Variante des Deathmetal. Siebenseitige Flying V beim Gitarristen, dazu ein Sechseiter in den fähigen Händen des Bassisten, durchgefrickelte Songarrangements, schräge Rythmen, unvorhersehbare Breaks, kranke Vokals von ganz tief bis ganz hoch. Das alles vorgebracht mit Spielfreude, Tightness, dazu brauchbares Songwriting. Also alles dabei was eine Metal-Band gut macht, wenn nur die billigen Rape-metal Klischees nicht so peinlich von der Band zelebriert würden. Das Publikum goutierte gleichwohl die Leistung des Trios und amüsierte sich einhellig über die vogelartigen Schreie des Gitarristen. Trotzdem bleibt die Frage: Warum können Streber nie ironisch sein?!
Nach einer weiteren Umbauspause betraten dann Napalm Death gegen halb elf unter frenetischem Beifall die Bühne. Napalm Death sind eine Band deren Spielfreude sehr vom Publikum und dem Ort abhängt. Wer sie Mitte der Neunziger im Bremer Aladin erlebt hat, weiss was das schlimmstenfalls heissen kann: Set fix runterprügeln, eine Zugabe, danke und tschuess!
Die Show im Pound dagegen, war das was Napalm Death zur wohlverdienten Live-Legende gemacht hat: ein Fest. Ein buntes Publikum aus Metalheads, Hardcore-Kids, Redskins, Punks und Death Metal Volk wie es so nur diese Band unter einen Hut bringen kann, bekam eine richtige Prachtpackung einmassiert. Spätestens beim fünften Song „Suffer the Children“ von der Harmony Corruption LP passierte das was die Amerikaner mit „the whole place went ballistic“ umschreiben. Menschliche Flugkörper in der horizontalen und in der vertikalen. Headbanging, Slamdance, Pogo, Stagediven - das volle Programm und eine Band die in den folgenden 90 Minuten immer noch einen drauf legte. In der Heimatstadt der Dead Kennedys durfte natürlich auch die Coverversion von „Nazi Punks Fuck Off“ nicht fehlen, bei der das Pound entgültig Kopf Stand. Im Gewitter aus Klassikern und neueren Stücken dehnte sich die Moshpit ständig aus und nahm schliesslich gut die Hälfte des Ladens ein. Vorn bratzte Bassist Shane Embury wie eh und je ab, während Frontsympath Barney Greenway manchen halb so alten Metalcore Clown zeigte, was auf der Bühne Spass haben, heissen kann. Die Jungs sind nach fast 20 Jahren Grindcore-Karriere nicht mehr die jüngsten, aber immer noch erfrischend. Von kommenden Album „The Code is Red, long live the Code“ wurde das Titelstück präsentiert: Eine gelungene Mischung aus der rasenden Agressivität der frühen Napalm Death und den rhythmisch experimentelleren Ausflügen der „Fear, Emptyness, Despair“ Phase. Die Band besteht derzeit nur aus vier Mitgliedern, was ihr aber keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, der Sound ist roher, stark angepunkt und kommt insgesamt thigther rüber. Napalm Death kommunizieren live mit Konsequenz ihre über zwei Dekaden aufgebaute musikalische und politische Substanz; kurzum die Band ist im Jahre 2004 stärker denn je!
Anschliessend stand dann ein weiterer mittlerweile klassischer Act an. Cannibal Corpse sind auch schon fast fünfzehn Jahre im Geschäft und nach wie vor legendär. Anfang der neunziger kauften Freunde von mir immer die Platten, die in der Rock Hard Richterskala auf dem letzten Platz kamen. So geschehen mit ‚Eaten back to life’ und ‚Butchred at Birth’, veritable Klassiker des Death Metal Genres heutzutage. Die Aufführung von Material dieser Scheiben ist in Deutschland immer noch verboten. Das Cover Artwork der „Werke“ reicht auch heutzutage spielend dahin, Mutti dazu veranlassen einen Termin beim Jugendpsychotherapeuten zu veranlassen, wenn sie nicht gleich den Exorzisten holt. Der musste in San Francisco natürlich draussen bleiben, als die Band gegen halb eins als Headliner des Abends die Buehne betrat. Der Laden war immer noch gut gefuellt, die Belegschaft der Napalm Death Moshpit hatte sich allerdings in die hinteren Raenge begeben um bei einem Bier die Show anzusehen, während vorn nun die schwarz gekleideten Kids ihre Matten schüttelten. Cannibal Corpse agierten technisch perfekt, arschtight nach vorn und mit überzeugender Bühnenprasenz – wenn Synchron-Mattenschwingen olympische Disziplin waere, hatten George Fisher und Gitarrist Jack O Brein definitv Medaillenchancen. Klassiker wie „Vomit the Soul“ and „Hammer Smashed Face“ fehlten zur Freude des Publikums, dass sich teilweise gar im mitsingen – Verzeihung mitgrunzen – übte, nicht in der Setlist. Nochmal gut zwei Stunden gab es ordentlich was auf die zwölf. Dennoch: Cannibal Corpse 2004 sind gute Death Metal Unterhaltung, nicht mehr und nicht weniger.

Im Anschluss an das Konzert hatte ich noch Gelegenheit mit einem bestens gelaunten Barny Greenway von Napalm Death bei vegetarischen Snacks ein kurzes Interview zu führen...siehe in den Interview !!!

Links:
Cannibal Corpse, Napalm Death, Kataklysm, Macabre, Goatwhore

Christoph

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