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Live-Reviews

alter Ego - YuYinTang Shanghai (07.03.2008)
China ist ja zur Zeit wegen so einiger Dinge in aller Weltpresse Munde, allerdings ist das Thema in den seltensten Fällen der Auftritt einer US- amerikanischen Punkrockband in Shanghai.
Wenn man allerdings von einem solchen Event Wind kriegt, und sich gerade in der Nähe befindet, lässt man sich so etwas natürlich nicht entgehen! Punkrock in China? Die hören doch nur ihre weichgespülten Britney Spears-Imitate im Glitzerlook?! Wie gehen Chinesen auf Punkrock ab? Tun sie´s überhaupt? Und dann auch noch ´ne Ami-Band! Also schnell noch beim Kiosk an der Yanan Lu zwei Bier für den Weg geholt und ab Richtung Zhongshan Park marschiert, wo der Club YuYinTang ist. Der Eintrittspreis ist mit umgerechnet 4 Euro human, das Bier, sogar gekühlt, kostet 4 Yuan (40 cent), und der Laden ist so klein, dass höchstens 100 Leute hinein passen. Zum Eingang hin ist der Club offen, aber Lautstärke stört in dieser Stadt ja eh niemanden, erst Recht nicht, wenn gleich gegenüber eine S-Bahn Station ist.
Zum Aufwärmprogramm spielt eine chinesische Punkband. Gar nicht schlecht, aber irgendwie auch merkwürdig. Man hat das Gefühl alles in ähnlicher Art und Weise irgendwo anders schon mal gehört zu haben. Na ja, im Kopieren und Adaptieren sind die Chinesen halt Weltmeister, selbst die Punkrocker.
Danach wird´s dann gruselig. Der Club ist mittlerweile reichlich mit Menschen gefüllt, mehr als die Hälfte sind tatsächlich Chinesen, der Rest Westler, und die zweite Vorband erklimmt die Bühne. Die Jungs sind ein wild zusammen gewürfelter Haufen aus Franzosen, Amis, Aussis und einem Chinesen, die alle in Shanghai leben, und geben zunächst drei mäßig gute Eigenkompositionen zum Besten, eh sie dann anfangen, diverse Coverversionen zu intonieren. Von Nirvana über Blur bis hin zu leicht verrockten Chartbreaker Hits von irgendwelchen amerikanischen Hupfdohlen wird wirklich keine Peinlichkeit ausgelassen, und das Ganze auch noch äußerst schlecht vorgetragen. Das allerdings kratzt das anwesende chinesische Publikum nicht die Bohne. Jede Coverversion wird mit ekstatischem Gekreische, auch von den Männchen, umjubelt, und dazu wird abgetanzt, als hätte jemand die Duracell-Batterien mit dem Inhalt des Castors gepimpt. Unfassbar!

Als nun endlich die Hauptband alter Ego die Bühne betritt, ist der Laden komplett überfüllt. Aber auch das interessiert unsere asiatischen Freunde nicht, sind sie ja aus der U-Bahn gewohnt, und so werden halt die dort erworbenen Drängeltechniken einfach hier gewinnbringend eingesetzt. alter Ego aus Oregon haben ein geschätztes Durchschnittsalter von Anfang zwanzig und befinden sich tatsächlich auf einer China-Tournee, der eine in Japan folgen wird. Das Pekinger Label Hot Pot Music hat es sich nicht nehmen lassen, eine Split-CD mit den fünf Herrschaften aus dem Land des kultivierten Imperialismus und der chinesischen Combo „ Recycle“ auf den Markt zu werfen, die tatsächlich auf den Namen „Pink Punk“ getauft wurde. Mann, Mann, Mann! Wer diese nun in China kaufen soll, wer den Amis wie eine China Tour finanziert hat, und ob der Tonträger auch außerhalb des Reichs der Mitte zu erwerben ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich weiß nur eins aus eigener Erfahrung: China ist so gar nicht Rock´N Roll. Die haben da schlicht und ergreifend keinen Zugang zu.

Zurück zum Gig. alter Ego präsentierten mir fast schon befürchteten Bubble-Punk a la Blink 182 und Good Charlotte, allerdings noch langweiliger. Wer auf solche Sachen steht, kann es ja mal antesten, ich selbst find das ja nicht so geil. Die Chinesen schon. Die tobten vom ersten Ton an los, als gäb´s kein morgen, und waren nicht mehr zu halten. Erst recht nicht mehr, als die Band zeigte, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hatte: Nach etwa einer halben Stunde legten nämlich auch die ihre Eigenkompositionen beiseite, und fingen mit „Dookie“ von Greenday ebenfalls das Covern an, und setzten dies auch noch eine halbe Stunde fort, was das anwesende chinesische Publikum vollends zum Ausrasten bewegte. Also wenn ihr euch mal völlig abfeiern lassen wollt, und das mit eurer eigenen Feld-Wald-und-Wiesen-Band so gar nicht klappen will, ein Tip von mir: macht ´ne Coverband in einer chinesischen Großstadt auf, totsichere Sache!!

Jetzt noch näher auszuführen, dass der Abend dann noch auf einer Party von Schwedinnen in einem Gespräch mit einem Albaner mitten in Shanghai endete, wo uns Engländer mit hin geschleppt hatten, wo von eine ziemlich schnell mit einem Mexikaner verschwand, würde nun wirklich zu weit führen.

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alter Ego

Nille

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