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Live-Reviews

4. Bootrock Festival - Bremen - MS Treue (25.02.2011)
Eines der ersten Festivals des Jahres, wohlgemerkt nicht unter freien Himmel, fand nunmehr schon zum vierten Male auf der MS „TREUE“, einem zum Veranstaltungsort umgebauten Betonschiff, statt, dass seinen Liegeplatz an der Bremer Schlachte hat. Nachdem am ersten Tag dieses Drei-Tage-Festivals, an dem nach Aussage des Veranstalters vor allem Bands spielen, der ER gut findet, ohne mein Beisein die großartigen ZED ihre Aufwartung machten, gab ich mir am zweiten Tag zu Beginn des wohlverdienten Wochenendes die Ehre um mir den skalastigen Teil der Veranstaltung zu geben.

Die von mir zahlreicher erwarteten Gäste mussten am Eingang nicht unerhebliche 10 Euronen Eintritt entrichten, ehe sie sich in das Lärmgewitter von MONOLITH begeben konnten. Die drei Bremer, die mit zwei Gitarren aber gänzlich ohne Bassgitarre, dafür aber zum Teil mit Schnabel angetreten waren, konnten das anwesende Publikum mit ihrem langsam vorgetragenen, leicht ins psychedelische rutschenden, langsamen und viel zu laut abgemischten Doomrock nicht so wirklich in Extase versetzen, zu eintönig und wenig abwechslungsreich waren die Arrangements, die sonore Gesangsstimme schwappte zu leicht ins nervige. So wurde die Raucherecke oben an Deck mit zunehmender Spieldauer voller und voller.

Das Kontrastprogramm sollten dann die fünf Skapunker von LOUI VETTON aus Hamburg liefern, die mit ihrem Debutalbum „Off the Hook“ 2008 für ein ordentliches „Hallo“ in der Skapunk-Szene sorgten. Nach wie vor etwas chaotisch in den Abläufen, vor allem in den Ansagepausen, aber mit grundsolidem musikalischem Grundstock, erhöhten die Herren um Frontmann Lukas die Laune im Publikum nun erheblich, nicht zuletzt war ihr Sound auch wesentlich besser an die örtlichen Gegebenheiten angepasst. Nach, gefühlt, doch recht kurzer Zeit verließen die Jungs die Bühne nicht ohne noch auf das ambitionierte Projekt VIVA con AGUA hinzuweisen, in dem sie sich ganz nach Hamburger St.Pauli - Manier engagieren, und überließen die Bretter ihren Freunden von Wisecräcker aus Hannover. Dachte man.

Es kam aber anders. Während man sich noch wunderte, warum die Umbaupause eigentlich so lange dauert, die Wartezeit aber mit von einem Bremer Bürgerschaftsabgeordneten gesponserten Bier verkürzt bekam, setzte plötzlich ohrenbetäubende Konservenmusik ein, und ein Haufen aufgedrehter Hupfdohlen in knappen Outfits, nebst männlicher Begleitung, die die aufgesetzte gute Laune jedes Radiomorgenmans bei weitem in den Schatten stellte, rannte und tanzte mit einem Mal durch die vorderen Reihen des Publikums und wedelten mit Leuchtstäben und lustigen Werbehüten, dass es nur so eine Art hatte. Nach wenigen Minuten waren sogar die Bardamen in Werbe T-Shirts gekleidet, alle Umstehenden wurden mit kleinen Probeschlückchen des Produkts versorgt, und wer wollte, konnte sich auch einen lustigen Hut aufsetzen und auch Werbung laufen. Selbst einige anwesende Mitglieder der im Allgemeinen ja eher konsumkritisch eingestellten Skabands schienen die gesamte Nummer ganz lustig zu finden. Es schienen sich nicht wirklich viele Leute im Publikum, das sich wohl größtenteils dem alternativen Gesellschaftsspektrum zuordnen würde, Gedanken zu machen, dass eine solch offensichtliche und nervtötende Verkaufsshow eines Braunschweiger Schnapsherstellers wohl reichlich fehl am Platze war. Zum einen, weil man doch wohl in erster Linie wegen Musik gekommen war, zum anderen hätte ich mir doch eine etwas konsumkritischere Haltung sowohl des Publikums als auch der Bands gewünscht, erst Recht aber vom Veranstalter. Ein solcher Überfall ist in jeder peinlichen Dorfdisko schon ein Unding und hat auf einer Veranstaltung wie dieser aber auch so gar nichts zu suchen. Wenn das Festival anders als mit solchen Mitteln nicht finanzierbar ist, muss man sich vielleicht ein anderes Konzept ausdenken. Ich möchte aber wenigstens abends auf Konzerten nicht auch noch konsumterrorisiert werden, nachdem ich mich dieser ständigen Berieselung schon in Supermärkten, Einkaufspassagen und Bahnhöfen nicht entziehen kann.

Zurück zum Eigentlichen. Die sieben Jungs von WISECRÄCKER zeigen schon in den ersten 30 Sekunden ihres Auftritts, dass sie in Sachen Professionalität und interne Absprachen ihren Vorgängern auf der Bühne um Meilen voraus sind. Das Zepter hält klar Sänger und Saxofonist Alexander in der Hand, seine im Volumen wesentlich üppigere Gesangsstimme fordert dem Mischer dann auch etwas mehr Arbeit an den Reglern ab. Schade nur, dass sich die Band, die ihren Stil „Brett und Bläser“ nennt, nie so richtig auf eine Stilistik einigen kann, die irgendwie einen roten Faden vermuten lässt. Rockige Punksongs werden von eher jazzigen Grundarrangements gefolgt, auch der eine oder andere Reggaebeat schleicht sich ein, ehe es wieder ein Punkrockgewitter gibt, die Texte werden abwechselnd in englisch, deutsch und spanisch vorgetragen. Aber man kann das alles ja auch unter der Überschrift Vielfalt einordnen, ihr Anfangsniveau hält die Band jedenfalls in jedem Stück bis zum Ende scheinbar ohne viel Anstrengung durch.
Nach dem auch der unvermeidliche Hinweis auf den Höhenflug des kleinen HSV nicht fehlen darf, geht man eigentlich ganz zufrieden von einer netten, viel zu schlecht besuchten Veranstaltung nach Hause. Wenn da nur nicht dieser üble Beigeschmack dieses orangenen Überfalls wäre…

Nille

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