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Live-Reviews

The Haunted - Flensburg - Roxy (15.05.2011)
Die Erwartungen an diese Show waren von meiner Seite aus äußerst hoch.
Haben The Haunted mit ihrem aktuellen Album „Unseen“ doch für meine Begriffe das bislang stärkste Album 2011 abgeliefert. Im Rahmen einer Mini-Tour durch 3 Länder machten sie an diesem Sonntag einen Abstecher nach Flensburg, um dort nicht nur diese Tour zu beenden, sondern auch um hier ihre einzige Deutschland-Show auf die Bretter zu bringen.
Das wollte ich mir dann trotz der Anreise von 350 km nicht entgehen lassen.
Schwer geschädigt durch die Party am Vorabend treffe ich gegen 18:30 Uhr am Ort des Geschehens ein. Einlass sollte um 19 Uhr sein, und es war nur eine Vorband ( The Retaliation Process ) angekündigt, was mir sehr entgegen kam. Nun, da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Doch dazu später mehr. Draußen vorm Roxy höre ich, wie The Haunted „No Ghost“ beim Soundcheck proben. Leute versuchen, übrig gebliebene Tickets an mich und andere Passanten zu verhökern. Dann fängt es an zu regnen. Na super.
Letztendlich betrete ich zur Prime-Time um 20:15 Uhr den Laden, der gleich mal nen ziemlich abgefahrenen, aber coolen Eindruck macht:
Ne Art Bistro direkt an der Kasse / Eingang, mehrere Bars, Merch-Stände, und das alles auf engsten Raum. Cool. Schätzungsweise passen 500 Leute in den Schuppen, würde ich vermuten. Ein Blick Richtung Bühne: Eine Band spielt, vor der Bühne ist alles leer. Die Flensburger halten sich sehr zurück. Ich habe noch die letzten 2 Songs mitbekommen, war ziemlich standartmäßiger Metal. Das Band-Logo, das an der Wand prangt, lässt sich kaum entziffern, bis irgendwann der Sänger ins Mikro brüllt: „Das war’s, wir waren Liquid God aus St. Pauli. Viel Spaß mit den anderen Bands.“
Andere Bands? Nun ja, The Haunted und The Retaliation Process dachte ich mir so.
Weit gefehlt. Eine Horde bunter T-Shirts, merkwürdige Mützen und Ohrtunnel bahnen sich ihren Weg Richtung Bühne, die ganze Szenerie lässt mich böses erahnen.
Und so kommt auch, was kommen musste: Eine weitere Vorband. Und dann auch noch eine weitere, gesichtslose Deathcore-Band, die fortan in den nächsten 25 Minuten einen Breakdown an den anderen reiht. Jeder Song hört sich gleich an. Der mitgebrachte Fan-Mob, bestehend aus ca. 10 Personen zieht vor der Bühne seine groteske Performance ab:
Die Windmühle, der Unkrautzupfer, der Brusttrommler, der Kranich. Völlig verständnislos betrachte ich dieses Schauspiel und erwische mich dabei, wie mir das Ganze ein Schmunzeln abverlangt. Irgendwann macht die Combo Platz für die Überraschung des Tages ( abgesehen von der Flut an Bands, die mich allerdings negativ überrascht hat ):
The Retaliation Process aus Hamburg betreten die Bretter und zocken in der nächsten halben Stunde eine höchst amtliche Show. Angetrieben von einem überragenden Drummer legt die agile Band los wie die Feuerwehr. Das Publikum weiss das zu honorieren und man sieht überall zufriedene, headbangende Leute. Die aktuelle EP der Band kann man auf der Seite www.theretaliationprocess.tk kostenlos herunterladen, lohnt sich definitiv. Die Mischung aus Death- und Thrash-Metal kann sich durchaus hören lassen. „Stillborn“ und „The Weakness“ beenden eine durchweg überzeugende Show.
Jetzt aber The Haunted! Doch die Leute, die auf der Bühne stehen, sehen nicht aus wie The Haunted. Crew-Mitglieder, die den Soundcheck machen, dachte ich. Doch da das zweite Schlagzeug immer noch auf der Bühne stand, nahm das Unheil seinen Lauf: Noch ne Band.
Inquiring Blood aus Hannover. Die Band klingt für mich wie ne billige Kopie von Cannibal Corpse – aber nur zwei Songs lang. Dann kündigt die Kapelle einen Song namens „Born in a grave“ ( Cooler Titel! ) an und weiss fortan zu gefallen. Immer wieder schiessen mir The Crown durch den Kopf. Nach dem überzeugenden „Fuck your God!“ hauen die Hannoveraner noch ein Cover raus, das es in sich hat – „Blinded by Fear“ von At the Gates. Fett. Zumal diverse Teile von The Haunted da ja früher ihre Brötchen verdient haben.
So gingen auch diese 35 Minuten letztlich schnell rum. Ein Blick auf die Uhr – es ist schon fast 23 Uhr. Beim Besuch des Merch-Stands stelle ich fest, dass ich scheinbar NOCH eine Band verpasst hab – Irate Architect. Jammerschade!
Allen Ernstes Leute, 5 Vorbands - geht’s noch? Und das auf einem Sonntag. Viele Leute sind zuhause geblieben, ich würde sagen, dass letztendlich um die 150 – 200 Leute vor Ort waren. Eigentlich schade, zumal der Eintrittspreis mit unter 20 € wirklich moderat war. Eingedeckt mit 3 neuen Shirts ( 20 € für ein Shirt sind mittlerweile ja leider Standard ) schweift mein Blick immer wieder Richtung Uhr und Bühne.
Dann endlich um 23:15 Uhr ertönt ein Intro, die komplett verwaiste erste Reihe füllt sich, Peter Dolving und seine Mannschaft entern die Bühne und legen mit „Never better“, dem Opener der neuen Scheibe, und dem anschließenden „99“ gleich fett los. Der Sound tritt Arsch, doch leider ist das Mikro etwas zu leise eingestellt. Sei’s drum, die Band gibt Vollgas und zockt sich durch einen ansprechenden Querschnitt ihres bisherigen Schaffens. Mit Hauptaugenmerk natürlich auf das aktuelle Album, von dem die Schweden die ersten 6 Songs zum Besten geben, schön in die Setlist eingestreut. Ein persönliches Highligt war für mich der „The dead eye“-Doppelschlag „The Flood“ / „The Medication“. Doch auch ältere Sachen kamen gut an und so vergingen die 75 Minuten im Flug. Als Zugabe gabs noch den unvermeidlichen „Hate Song“, und The Haunted hinterlassen ein zufriedenes Publikum.
5 Minuten nach Showende ist der Laden schon wie leergefegt, scheinbar muss der Großteil am Montag wieder arbeiten. So ist es dann auch schon halb eins, als ich mich auf den Rückweg mache. Nochmal 350 km. Das nächste Mal bitte nach Bremen oder Osnabrück kommen, aber bitte mit nur einer Vorband! Ansonsten: Jederzeit wieder.

Setlist The Haunted:

Never better
99
The Drowning
Trespass
Catch 22
Motionless
D.O.A.
In Vein
Unseen
The Premonition
The Flood
The Medication
Moronic Colossus
No Ghost
Disappear
The Fallout
Dark Intentions
Bury your dead
Hate Song

Links:
The Haunted

Eisen-Dieter

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