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Live-Reviews

Rob Zombie - Oberhausen - Turbinenhalle (06.06.2011)
Dass ich das noch erleben darf – nach 16 (!!!) Jahren Abwesenheit gastiert Herr Zombie dann doch mal wieder in Good Old Germany – für lumpige 3 Clubshows und einige wenige Festivalauftritte. Das Ticket wurde umgehend geordert und die Vorfreude nahm unbeschreibliche Formen an. Erst Recht, als ich las, dass Wayne Static als Support angekündigt wurde, seineszeichens Sänger der amerikanischen Industrial-Formation Static-X.

So machte ich mich an diesem sonnigen Montag mit ner Menge guter Laune und meinen 3 Mitstreitern auf den Weg ins Ruhrgebiet. Vor der Halle lungerten eine gute halbe Stunde vor Einlass dann auch schon ein bunter Haufen Leute herum. So ungefähr hatte ich mir das Publikum vorgestellt. Freaks halt. Ich fühlte mich wohl ;)

Der Einlass erfolgte punktgenau um 19 Uhr, die Masse drängte erwartungsvoll in die Halle.
Meine Begleiter ließ ich dann am Merch-Stand zurück, um mir einen Platz weiter vorne zu sichern. Wenn der Mann schon mal zugegen ist, will ich das Spektakel auch aus nächster Nähe sehen. Die Wartezeit wird durch eine ziemlich obskure Auswahl an Musik aus der Konserve überbrückt: Erst unerträglicher Hip-Hop, dann astreine Nummern von Nashville Pussy, Suicidal Tendencies und sogar Mr. Zombie himself.

Dann betreten Duff McKagan und seine Band Loaded die Bühne. Was im Umkehrschluss heißt: Kein Wayne Static. Mist. Zumal der ehemalige Guns’n’Roses-Basser, der jetzt singt und Gitarre spielt, mich mit seiner gut 60-minütigen Show nicht vom Hocker reißen kann.
Viel zu lahm und ohne Biss. Da kann er von mir aus 10 mal bei den Gunners gespielt haben, das war einfach nix. Die großen Rockstar-Posen stimmen zwar, und auch das Publikum steht dem Mann scheinbar wohlwollend gegenüber, aber von den Songs bleibt rein gar nichts hängen. Da hat selbst Bon Jovi mehr Wumms. Vorbildlich sind allerdings die akustischen Gegebenheiten, der Sound ist allererste Sahne. Klar, druckvoll und transparent wummert jedes einzelne Instrument aus den Boxen. Auch das Publikum ist gut drauf, geht auf die ganzen Mitklatsch-Spielchen ein und hat scheinbar ganz einfach Bock auf Party. Anders kann ich mir nicht erklären, dass so eine strunz-langweilige Chose so viel Zuspruch gefunden hat.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ( in Echtzeit 60 Minuten ) räumt der Blondschopf mit seinem Gefolge die Bühne. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Die 30 Minuten Umbaupause waren deutlich unterhaltsamer als Loaded. Das lag zum einen an der Beschallung ( ne halbe Stunde nur Johnny Cash ), zum anderen an der Bühnendekoration: Als Backdrop gabs einen riesigen King Kong samt Frau in der Pranke, auf der Bühne selbst standen 4 Schwarz-Weiss-Portraits von klassischen Filmmonstern wie Frankenstein oder dem Wolfsmenschen. Zusätzlich wurden mehrere Podeste vors Mikro gestellt, damit auch ja alle Herrn Zombie zu Gesicht bekommen. An den Mikro-Ständern hingen riesige Skelette, das von Rob hatte sogar 6 Arme.

Um 21:30 Uhr startete das dramatische Intro und die 4-köpfige Band betrat unter verdammt lautem Jubel die Bühne. Als Opener fungierte erwartungsgemäß „Jesus Frankenstein“ vom aktuellen Album. Beim Refrain drehte wirklich die gesamte Menge in der proppevollen Halle kollektiv am Rad. Was für ein Start!

Im weiteren Verlauf der Show folgten Klassiker auf Klassiker, vom aktuellen Album wurden gerade mal 3 Songs zum Besten gegeben. Eigentlich Schade, hätte ich doch gern Granaten wie „What?“ oder „Werewolf Women Of The SS“ gehört. Stattdessen bediente sich der Meister bei seiner alten Band White Zombie und zauberte Göttergaben wie „Thunderkiss“ und „Super-Charger Heaven“ aus dem Hut, bei denen es kein Halten mehr gab.
Zu „Sick Bubblegum“ wurden gut 2 Dutzend Wasserbälle ins Publikum gefeuert, sehr passend zur Partystimmung. Der Song is live ne Bombe. Der Oberzombie wirbelte die ganze Show über wie ein Derwisch über die Bretter, seine 46 Jahre merkte man ihm beim besten Willen nicht an.

Auch ohne große Effekte ( verdammt! ) verstand der Musiker und Regisseur es, das Publikum zu begeistern, und das ist eigentlich viel mehr wert als jeder noch so coole Effekt. Die Show an sich war natürlich trotzdem top, der Sound vom Feinsten und das Bühnenbild halt schlicht, aber stimmig. Die Stimme kam fast 1:1 rüber wie auf CD, das war schon wirklich aller Ehren wert. Das begeisterte Publikum brüllte die Band zu insgesamt 4 Zugaben zurück auf die Bühne.

Nach den Zugaben, die natürlich u.a. den Megahit „Dragula“ umfassten, war dann nach 85 Minuten Schicht im Schacht. Die Leute waren aus dem Häuschen und ich denke, niemand wird enttäuscht nach Hause gegangen sein. Zumal der Mann nicht wie ein überheblicher Millionär wirkte, sondern sehr publikumsnah und sympathisch. So unternahm er mehrere Ausflüge an die Absperrung, um die erste Reihe entlang zu laufen.

Da können selbst die überzogenen Merch-Preise nichts dran ändern ( Poster: 10 Euro, Shirts: 30 Euro ), das war ganz großes Kino ( im wahrsten Sinne des Wortes ).
Nach der Show haben wir ernsthaft überlegt, uns das Ganze noch mal zu geben und nach Hamburg oder Amsterdam zu fahren.

Lustig auch die Polizei-Kontrolle nach der Show. Der gute Mann wollte mir allen Ernstes einreden, dass ich Drogen genommen hab, dabei machte eher er diesen Eindruck. Hat mich aber trotzdem weiterfahren lassen. Nun ja. So hatte man auf der Rückfahrt zumindest noch ein Gesprächsthema und was zu lachen.


Setlist:

Intro
Jesus Frankenstein
Superbeast
Scum Of The Earth
Pussy Liquor
Sick Bubblegum
Drum-Solo
More Human Than Human
Never Gonna Stop
American Witch
Super-Charger Heaven
Thunderkiss ‘65
Guitar-Solo
Living Dead Girl
Dragula
House Of 1000 Corpses
The Lords Of Salem
Mars Needs Women

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