Stage One Studio

Interviews

Janus
Die Hölle ist heiss und fürchterlich und Janus begleiten uns zu dessen Eingang. Dies verkünden sie zumindest im Intro Wenn du vor mir stehst von ihrem neuen Opus Auferstehung. Janus stand stets für eine eigene musikalische Welt, deren Wurzeln im Gothic und Rock gleichermaßen verwurzelt sind. Emotionen und Gefühle stehen im Vordergrund, anregendes Textgut über das es sich lohnt Gedanken zu machen, komplettiert das eigenständige Gebräu das einem aus den Boxen entgegenschallt. Ein Act der fern von kommerziellen Klängen sein eigenes Reich erschaffen und es versteht in den Bann zu ziehen.
„Das Album ist eigentlich seit August fertig und hat das Nachtschicht Studio zusammen mit der Bonus-CD Kleine Ängste Anfang November verlassen, wir hatten also genug Zeit Abstand zu unserem neusten Output zu bekommen“, erklärt Rig. „Wer Janus etwas kennt, weiss, dass wir nie vollständig zufrieden sind und immer nach einer Möglichkeit suchen, uns zu verbessern, so auch bei Auferstehung. Davon abgesehen, sind wir sehr stolz auf unsere neue Platte: sie ist dunkler und persönlicher als die bisherigen Alben, ich beschäftige mich nach wie vor gerne mit ihr.“ Dem Beispiel werden garantiert eine Menge begeisterter Anhänger folgen. das Ziel war dabei im Vorfeld sehr simpel. „Das Ziel ist immer dasselbe: das bestmögliche Janus Album zu machen; alles noch größer und perfekter zu gestalten; unseren Wahn, was das Musik machen betrifft, ungezügelt auszuleben. Aber sobald man in die Studioarbeit eingetaucht ist, entwickelt jedes Album sein Eigenleben, stellt Ansprüche und verweigert den Dienst. Daran haben wir uns mittlerweile gewöhnt und versuchen erst gar nicht mehr, zu stark an unseren ursprünglichen Konzepten festzuhalten, wenn das Gefühl einem etwas anderes suggeriert.“
Dabei scheint man sehr großen Wert auf ein einheitliches Gesamtbild zu legen, so stehen Musik, Text und Artwork in einem engen Zusammenhang. „Sie entstehen meist parallel zueinander, wobei man sagen muss, dass die Texte oft den Anfang machen und bereits eine grobe Richtung vorgeben. Es gibt aber zahlreiche Ausnahmen von dieser Regel. Wir versuchen immer wieder neue Dinge, um die Kreativität nicht zur Gewohnheit verkommen zu lassen.“ Die Texte haben dabei stets einen tieferen Sinn, glänzen durch ihre Zweideutigkeit und die geschickte, meist sehr poetische Wortwahl. „Ich denke, es hängt stark mit der Sicht auf seine Umwelt zusammen, wie man als Musiker Texte verfasst“, erklärt Rig. „Für mich ist es ganz natürlich, diese dunklen, oft als abgründig bezeichneten Texte zu schreiben. Ich muss dafür nicht in einer besonderen Stimmung sein, spezielle Drogen genommen haben oder im Augenblick des Schreibens dasselbe durchleiden. Es ist einfach meine Sicht der Dinge, mein Blick auf das, was mich umgibt.“ Dennoch dienen die Texte ebenso der Verarbeitung von Erlebnissen, wie Rig bestätigt. „Wenn man in der glücklichen Lage ist, seinen Gefühlen mittels Musik freien Lauf zu lassen, dann schleichen sich solche selbsttherapeutischen Ansätze schnell mit ein. Themen, die einen persönlich nicht bewegen, eignen sich nicht für unsere Art der Musik, die kaum kommerzielle Interessen berücksichtigt. Musik ist für mich die reinste, unmittelbarste Art meine Gefühle auszuleben. Insbesondere bei Livekonzerten auf der Bühne hat das Singen eine befreiende Wirkung.“ Wer Janus Live erlebt hat, weiss wovon der gute Mann spricht, spielt der visuelle Aspekt sicherlich ebenso eine tragende Rolle.
Die Themevielfalt in den Texten ist dabei enorm; dennoch stellt sich die Frage ob es denn ein bestimmtes Leitmotiv gibt. „Das gibt es, allerdings ist es eher ein Leidmotiv. Menschen in Extremsituationen waren schon immer eines der zentralen Themen von Janus, man denke nur an Gescheitert oder Der Flüsterer im Dunkeln. Dahinter steht immer die Frage, was das menschliche Wesen tatsächlich ausmacht. Sind wir wirklich, wer wir zu sein glauben? Wie viel braucht es, damit die Vorstellung, die wir von uns und unserem Leben haben, zerbricht? Und was passiert, wenn etwas Unfaßbares in unsere Welt hineinbricht? Wie viel kann ein Mensch ertragen? Traumatische Ereignisse, wie z.B. der Tod eines geliebten Menschen in Du siehst aus wie immer oder der Alptraum eines dunklen Familiengeheimnisses in Überleben sind die größte Gefahr für unsere zerbrechliche geistige Gesundheit. Auf dieser Grenze zwischen Wahnvorstellung und Überlebenswillen bewegen sich alle Texte von Janus. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.“ Seine Fangemeinde schätzt Rig dabei als „meistens intelligent, phantasievoll und ein wenig verrückt“ ein. Das Spektrum derer dürfte sehr breitgefächert sein, da man keinesfalls gezielt in eine bestimmte musikalische Ecke tendiert und alleine dadurch eine sehr breite Masse ansprechen dürfte.
Janus waren generell sehr produktiv, denn den neun Songs des neuen Albums, liegen in Form von Kleine Ängste stolze sieben weitere Tracks in Form einer Bonus-CD bei. „Wir arbeiteten mit einigen Unterbrechungen fast drei Jahre an Auferstehung“, holt Rig aus. „Als das Label dann kurz vor der Fertigstellung mit dem Wunsch nach einer Bonus-CD auf uns zutrat, waren wir erst alles andere als begeistert. Ein paar Remixe, Live Bootlegs und unveröffentlichte Demos schienen uns wenig verlockend. Eine glückliche Fügung des Schicksals brachte kurz darauf unsere Freunde von Feder & Schwert ins Spiel, die nach Vampiere und Engel ein weiteres Erzählspiel namens Kleine Ängste veröffentlichen wollten und uns fragten, ob wir dazu nicht ein paar Lieder verfassen wollten. Ein paar Wochen und waghalsige Ideen später, hatten wir sieben komplett neue Lieder. Das Mini Konzept Album Kleine Ängste wird als Folge dessen nun der Erstauflage von Auferstehung als Bonus-CD beiliegen, ebenso wie ein 28-seitiges zweites Booklet im Stile einer düsteren Kinderfibel. Weil uns das alles noch immer nicht genug war, haben wir die Geschichte nochmal als eine Art Mischung aus Hörbuch und Hörspiel umgesetzt, was uns riesigen Spaß gemacht hat. Das Hörbuch ist übrigens auf 666 Exemplare limitiert und kann nur über unseren Shop im www.knochenhaus.de erworben werden.“ Eine interessante Idee, die für die Vielseitigkeit von Janus und ihren Machern spricht.
Doch dringen wir tiefer in die Thematik auf dem Opus ein. Was bedeutet Überleben für Janus? Wird in dem Lied Überleben die Liebe in ihrer Perfektion beschrieben? Glaubt ihr denn daran, dass man mit einer Person bis ans Ende der Welt gehen kann? „Liebe in Perfektion? Oh nein, gewiß nicht! Die Zeile Zusammen mit dir ans Ende der Welt ist eher Ausdruck von Flucht und Eskapismus angesichts einer unerträglichen Realität. Im Chorus heisst es immer wieder: Taumeln, stürzen, in der Leere schweben. Das ist, was es heißt, zu überleben. Perfektion stelle ich mir anders vor.“ In Du siehst aus wie immer geht es um eine unheilbare Krankheit und die Angst vor dem Tod. Glaubt ihr an ein Leben nach dem Tod? Seid ihr generell religiös? „Nein, wir sind nicht gerade übermäßig religiös veranlagt, auch wenn wir ein starkes Interesse an christlicher Symbolik und Bibelthemen haben. Aber das ist eher Ausdruck unserer Liebe zum Pathos, zu großen Gesten und nicht unserer Spiritualität. Die ironische Distanz zur einer Idee names Gott werde ich nicht los. Vielleicht ändert sich das später im Angesicht des Todes. Frag mich dazu in ein paar Jahren nochmal.“ Die Bibel steht heute einmal mehr im Kreuzfeuer, nicht zuletzt durch die aktuelle Verfilmung der Kreuzigung, die rundum den Globus enorme Reaktionen ausgelöst hat. „Ich hatte bisher keine Gelegenheit den Film zu sehen, werde das aber bestimmt irgendwann noch nachholen. Generell kann ich sagen, dass ich die Idee eine Art Crossover aus Katholizismus und Splatterfilm zu machen, alles andere als abwegig finde.“
Zwar gibt man den Personen in den Texten Namen, doch wirken diese zu einem gewissen Teil autobiographisch zu sein. „Zu einem gewissen Teil stecken in Janus Texten immer auch autobiographische Bezüge“, erläutert Rig. „Es sind Erinnerungen, Gedanken, Bilder oder Erlebnisse, die dann ein Eigenleben entwickeln und zu einem Liedtext werden. Auf dem Weg dahin kommen aber noch so viele andere Ideen und Elemente hinzu, dass man den persönlichen Anteil an den Texten nicht mehr problemlos heraustrennen und identifizieren kann. Dieser Spagat zwischen realen Erlebnissen und der Fähigkeit zur Phantasie ist es auch, was in meinen Augen einen guten Text ausmacht.“ Generell stellt sich die Frage ob eine Auferstehung erstrebenswert ist, schliesslich dürfte der Gedanke an die Wiederholung der Begebenheiten oftmals beunruhigend wirken. „Höchst beunruhigend sogar! Genau davon handelt der Titelsong Auferstehung; von dem, was schon zu Lebzeiten, immer wieder von vorne beginnt: das lange Warten auf den neuen Tag, ein trübes Zwielicht, das nie enden mag. Weshalb diese Tortur nach dem Ableben im Jenseits nochmal wiederholen?“ Eine berechtigte Frage, die jeder selbst für sich erörtern sollte.
Eines der auffälligsten Lieder der CD ist Kleine Ängste, dem Auftakt des Bonus Materials. Welches waren die eigenen kleinen Ängste, die man in seiner Kindheit hatte? „Ich hatte als Kind Angst vor allem, was sich im Dunkeln oder in meiner Phantasie regte. Meine Eltern merkten früh, dass man mich mit Büchern stundenlang beschäftigen konnte, ohne dass ich auch nur einmal aus den Seiten aufsah und schleppten mich ab dem sechsten Lebensjahr wöchentlich in die Kinderbibliothek. Hätten sie gewußt, dass ich dort mehr und mehr Gruselklassiker und Horroranthologien verschlang, hätten sie es sich vielleicht noch mal anders überlegt. In der Folge meiner Lektüre lag ich jede Nacht zitternd im Bett und sah im Schein einer grünlich leuchtenden Nachtlampe in der Steckdose, die angeblich die Angst verringern sollte, tote Kinder auf meinen Regalen kauern und weiße Frauen mit riesigen Messern an mein Bett heranschleichen. Der Grundstein für Janus war damit recht früh gelegt.“
Gefühle und Erlebnisse die jeder kennt; wer hat schon nicht vor dem Bett gehen unter Selbiges geschaut, ob sich nicht doch irgend etwas ungeheuerliches darunter verbirgt?

Links:
Janus
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