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GWAR - Osnabrück - Ballroom (25.06.2011)
Ich sehe rot. Das liegt aber nicht an der fußball-losen Zeit ( die Frauen-WM zähle ich einfach mal nicht ) oder an sonstigen Ärgernissen, sondern an der GWAR-Orgie im Ballroom zu Osnabrück. Von der roten Farbe hat man auch Tage später noch ne „schöne“ Erinnerung an einen spaßigen Abend. Und den hatten wir an diesem Samstag definitiv.

Die Anfahrt gestaltete sich als stressfrei, da wir beide mit der Route und den örtlichen Gegebenheiten vertraut waren. Schnell noch nen Burger eingeschoben und ab zum Ballroom. Kurzer Schnack mit „Otti“, dem Chef vom Ganzen, dann erstmal die höchst erlesene Getränkekarte studiert und mit einem Captain/Cola bewaffnet die netten Shirt-Motive unter die Lupe genommen. Das regnerische Wetter lud leider nicht wirklich dazu ein, dem gemütlichen Biergarten einen längeren Besuch abzustatten.

Dafür war allerdings auch gar keine Zeit, denn bereits um 20:30 Uhr, eine halbe Stunde nach Einlass, standen Bitter Piece Gewehr bei Fuß und enterten die Bühne.
Was dann in den nächsten 45 Minuten folgte, darf man getrost als faustdicke Überraschung verbuchen. Die mir bislang völlig unbekannte Band zockt ein höchst amtliches Set und beeindruckt gleichermaßen durch Routine und Spielfreude. Sympathisches Auftreten, nicht nur durch das Pantera-Shirt des Sängers, der während der Show auch mit den ersten Reihen auf Tuchfühlung geht. Die Musik ist nicht leicht zu beschreiben, am ehesten würde ich Trash-Metal sagen, leicht deathig angehaucht. Ne fette Mischung, keine Frage. Songs wie das alles niederwalzende „I seek revenge“ bringen das Osnabrücker Publikum zum bangen. Als die Band nach „The one in you“ den Ort des Geschehens verlässt, bekommt sie mehr als nur Höflichkeitsapplaus. Absoluter Volltreffer!

Dass die Umbaupause zwischen den Bands weitere 45 Minuten in Anspruch nimmt, kann ich in diesem Fall ausnahmsweise nachvollziehen. Punkt 22:00 Uhr kündigt ein Intro die Ankunft GWAR’s an, und die lustigen Gesellen zerren gleich zum Auftakt niemand geringeres als die Queen auf die Bühne, um ihr nach kurzem Brimborium diverse Gliedmaßen vom Körper zu trennen. Dies zieht als Folge nach sich, dass die ersten Reihen schon nach nicht mal 2 Minuten aussehen als hätten sie im Blut gebadet. Netter Auftakt.

Geistesgegenwärtig schieße ich schnell diverse Beweisfotos, allerdings war mir das nur 3 Minuten lang möglich, dann stand die nächste „Blood Party“ an.
Um 22:06 Uhr konnte ich mein vormals weißes Shirt bereits auswringen und war bis aufs Höschen kladdernass. Aber das ging meinen Mitstreitern ja nicht viel anders.

Bei GWAR ist es eigentlich müßig, auf einzelne Songs einzugehen, da diese bei der Show eher Beiwerk sind, aber Kracher wie „Let us slay“ sind live mit diesen Showeinlagen einfach nur ganz großes Kino.

Ungefähr zur Hälfte des Sets betritt als Stargast Lady Gaga die Bühne, auf dem Kopf einen Haufen Scheisse und als Kleid eine Toilette. Nachdem sie Teile des Unrats vertilgt hatte, kamen auch bei ihr diverse Blut-Fontänen aus den Brüsten geschossen.
Künstlerisch definitiv wertvoll.

Was war sonst noch erwähnenswert? Nun, jeder, der dachte, Osama bin Laden ( hier neckischerweise als „Ozombie“ tituliert ) wäre tot – Irrtum. JETZT ist er es. Von einem fleissigen Helferlein auf die Bühne geleitet, wurde auch diesem Schurken die Haut vom Gesicht gezogen. Was folgte ist klar: Blut ohne Ende und lautes Gejohle, als sein Torso von der Bühne befördert wurde.

Auch, wenn sich das alles ein wenig befremdlich anhören mag, aber alle hatten Spass für ne Mark. Ich bin nicht ganz sicher, mehr mehr Kunstblut verwendet hat – GWAR oder Peter Jackson bei „Braindead“…

Zum Ende hin kam ein Bandmitglied in kompletter Montur ins Publikum und spielte sein Instrument von dort aus. Durch diverses in die Augen gelaufenes Kunstblut konnte ich allerdings nicht so wirklich erkennen, wer das nu war.

Die 70 Minuten vergingen auch hier viel zu schnell, und was GWAR zurückließen waren eine beachtliche Menge an rotgefärbten Shirts, eine nicht zu verachtende Blutlache auf der Bühne, vor der Bühne und auf der Tanzfläche ( hier kam mir spontan der Pro-Pain-Song „Death on the dancefloor“ in den Sinn ) und einen Haufen zufriedener, mit Blut besudelter Leute.
Der „Shaun of the dead“- Gag „Du hast da was Rotes“ machte mehrfach die Runde.

Schon lustig, nach dem Konzert aufs stille Örtchen zu gehen und alle sehen aus, als kämen sie gerade aus der Metzgerei. Oder anschließend in dem Aufzug in die Tanke zu gehen.
Vorher allerdings wurde noch eine Runde gekickert und Fotos geschossen.

Fazit: Cooler Abend! Pädagogisch und künstlerisch definitiv wertvoll.
Super Location, guter Sound, klasse Bands, viel Blut, gute Leute ( leider ein paar zu wenig – ärgerlicher Weise gab es eine Open-Air-Gegenveranstaltung, u.a. mit Turbostaat, die ich auch sehr gerne gesehen hätte ).
Und die Farbe hast Du selbst nach dem Duschen noch überall ;)

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GWAR

Eisen-Dieter

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