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Live-Reviews

Incubus - Sydney - Hordern Pavilion (03.02.2012)
"If Not Now, When?" Zeit fuer Neues, haben sich INCUBUS gesagt und eine Pop-Platte gemacht. Wenn eine Band sagt, sie wolle sich weiterentwickeln, ist das, wie ein Fussballspieler, der einer neuen Erfahrung wegen ins Ausland geht, um sich weiterzuentwickeln, dabei aber nur mehr Geld verdienen will, als bei seinem bisherigen Arbeitgeber. Das spannende an INCUBUS neuer Platte ist, dass es tatsaechlich gelungen ist, ruhige, vielschichtige Balladen zu praesentieren und trotzdem INCUBUS zu bleiben, also das zu bewahren, was die Crossover-Band INCUBUS im Kern ausmacht: Das Funky-Element und der Gesang von Brandon Boyd, der die Songs traegt. Dazu gesellt sich das fantastisch progressive Schlagzeugspiel von Jose Pasillas, das die Songs im richtigen Moment vehement treibt. INCUBUS erinnert mich mit dieser neuen Mischung an Dave Grohl, der zu der neuen Platte seiner Foo Fighters meinte, er wolle von nun an bis an sein Lebensende Lovesongs schreiben. Irgendwie ein Trend.
Das Konzert in Sydney ist eine Mischung aus dieser neuen Entwicklung und altem Material, insbesondere von der Morning View und Crow-Platte. "Megalomaniac" muesste als Opener erfunden werden, gaebe es diesen Song nicht bereits. "Megalomaniac" passt zu einem Konzert als Opener, wie Hopfen und Malz zum Becks-Bier. Live gepsielt ist er ein Opener-Orgasmus und symbolisiert in seiner Struktur die gesamte Vorfreude eines Konzertgaengers - vor der Buehne hoffnungsvoll harrend - bis endlich, endlich die ersten Toene erklingen und es losgehen kann.
Danach schliessen sich Tempowechsel an, die es einem schwer machen, in die eine oder andere Stimmung zu verfallen: Feuerzeug raus, Hintern in der Hose schwingen, Pogen oder Stage-Diven (was durch grosse rote Buchstaben auf einem Schild uber der Buhene ohnehin verboten waere). Dazu traegt nicht nur bei, dass sich Brandon Boyd nach jedem Song ausgiebig Zeit nimmt, um das gerade Vorgetragene auch wirken zu lassen, indem er nichts tut, als sich feiern laesst. Vielmehr ist es auch das sehr unterschiedliche Tempo der Songs selbst. Die Songs werden mehr einzeln zelebriert, als das sie wie eine einzige Welle durch das Publikum walzen. "In The Company Of Wolves" ist fast ein kleines Theaterstueck mit Ausdrucktanz von Brandon, bevor der ruhige Song am Ende duester wird und Fahrt aufnimmt, explodiert. Die langsame, fast unplugged anmutende Version von "Love Hurts" wird von allen im Saal mitgegroelt. Mit dem Hattrick "Nice To Know You", "Drive" und "Wish You Were Here" treibt zum Abschluss des Haupt-Sets dann alles doch genau in Richtung des alten wuchtigen INCUBUS Tempos und damit zum Hoehepunkt des Konzerts, was an INCUBUS Auftritte bei Festivals und Stage Diving (Achtung: Heute Verboten!) erinnert. Hier nichts Neues also - und das ist gut so.
Nach 1:40 und den drei Zugaben ("The Original", "Magic Medicine", "A Certain Shade Of Green") ist dann Schluss. Und hier stellt sich neben dem neuen Phaenomen der Alle-machen-Fotos-aber-keine-Stimmung Frage, die Preisfrage, die schon Jens in einem Review aufgebracht hatte. Hordern Pavillion ist ein tolles kleines Venue, bei dem eigentlich der Funke bedingungslos und beidseitig ueberspringen sollte, sodass man sich an alte Club-Konzert Zeiten erinnert fuehlt. Eine Band sollte so Lust auf 4 Stunden spielen haben. Ich gehe sogar soweit, zu fordern, dass Besucher bei einem Ticketpreis von 80 EUR das Recht haben sollten, der Setlist Wunschlieder hinzuzufuegen, wie damals beim ZDF-Wunschfilm der Woche.
Alles in allem eine saubere Show. Der Sound ist wuchtig, liegt nur zwichendrin mal neben der Spur. Eine sehr gute Setlist, auf die allerdings noch Dig gepasst haette und richtig gute Stimmung, die vor allem dadurch auf sich aufmerksam macht, dass die meisten Songs durchgaengig mitgesungen werden. Eine interessante Erfahrung, bei einem Konzert mitzumischen, bei dem das gesamte Publikum die Sprache und Texte versteht. Das Publikum geht zufrieden nach Hause, nachdem es fast zwei Stunden den wunderbaren funky INCUBUS-Groove und Boyd-Gesang - und ein bischen was Neues - genossen hat.

Markus Steiner

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