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Live-Reviews

Matt Gonzo Roehr - Osnabrück - Rosenhof (28.03.2013)
Langes Wochenende! Endlich! Wie kann man ein solch freudiges Ereignis besser einläuten als mit einem Konzert? Richtig: Besser geht’s nicht. Heute hat sich der ehemalige böhse-onkelz-Gitarrist Gonzo angekündigt, die vorschnell als Support angekündigten SpitFire mussten leider absagen ( Verdammt! ).

Stattdessen gab es heute die Bands „Tafkat“ und „Stahlwerk“ als Eröffnung. Draußen beginnt es immer heftiger zu schneien, im Club eröffnen derweil besagte Tafkat den Abend mit einer Portion Deutschpunk. Der Gig gerät ein wenig statisch, der Gitarrist sieht – Zitat Kumpel – aus, als „wäre er einer Schützenfestkapelle entsprungen“. Der Herr dürfte im Gegensatz zu seinen jugendlich wirkenden Kameraden schon einige Lenze mehr auf dem Buckel haben. Zum Ende hin schmeisst der Sänger „Steine“ aus Pappmaché in die Menge und fordert die Osnabrücker auf, die Band damit zu bewerfen – „Wer den Drummer trifft, gewinnt 100 Mark“. Daraufhin kommen ein paar Leute mehr vor die Bühne und machen den Spaß mit. Die Band dürfte ihre gute halbe Stunde genutzt haben, war ganz witzig.

Nach einer kurzen Umbaupause stürmen Stahlwerk die Stage, Sänger Oli versprüht Flammen mittels Haarspray-Flasche – Rammstein-für-Arme-Optik. Jedoch erinnern nur Bandname und Optik an die Berliner, die Musik geht in eine völlig andere Richtung. Und das ist auch der Knackpunkt: Die Musik an sich geht echt klar, es rummst an allen Ecken und Enden, aber die Texte… Da hatten selbst die uralten onkelz-Sauflieder oder der komplette J.B.O.-Backkatalog mehr Niveau. Schade, denn die Band ist wirklich agil: Sänger Oli und Gitarrist Marc O. unternehmen schon zu Anfang des Sets einen Ausflug ins Publikum, Marc zockt sein Solo auf einem Stehtisch im Publikum. Trotz allem vergehen die 40 Minuten bei Songergüssen der Marke „Assis mit Niveau“ ( leider nur teilweise zutreffend ) oder „Totgesagte leben länger“ recht zäh. Da wär mit besseren Texten deutlich mehr drin gewesen, schade.

Aber gut, das Highlight folgt ja noch: Unter dem lautstarken Beifall der schätzungsweise 350 Anwesenden betritt Altmeister Gonzo die recht große Bühne des Rosenhofs und legt mit einigen Songs seines neuen Solo-Albums los. Doch die erste onkelz-Nummer lässt nicht lange auf sich warten: „Heilige Lieder“ kommt recht früh zum Einsatz, obwohl die Nummer gar nicht auf der Setlist steht. Dies ist wohl der guten Stimmung vor und auf der Bühne geschuldet. Die Osnabrücker feiern den 50jährigen gut ab, und die Männer auf der Bühne haben ebenfalls ihren Spaß. Ferdy Doernberg grinst wie immer bis über beide Backen, Mike Mandel am Bass groovt wie ein Uhrwerk, ebenso der Drummer. Die größte Überraschung ist allerdings, dass Gonzo die Songs mittlerweile richtig gut intoniert. Was damals noch hier und da recht holprig klang, wird heute souverän runtergerockt. An der Gitarre macht ihm natürlich ohnehin niemand etwas vor.

Generell muss man natürlich sagen, dass die onkelz-Nummern immer einen Tick besser ankommen als die Solo-Songs. Sobald sie Band eine Nummer etwas variiert oder Blues-Einflüsse aufblitzen lässt, macht sich bemerkbar, dass heute einige Frei.Wild-Fans zugegen sind, die fast ausschließlich auf die onkelz-Songs warten und von Bluesrock nicht sehr viel halten. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich hier.

Die Band macht ihre Sache sehr gut, das exotisch angehauchte Intrumental „Barra Da Tijuca“ gibt ein eindrucksvolles, stimmungsvolles Highlight ab. „Regen“, im Original von den böhsen onkelz, wird quasi auf der Bühne seziert und endet in einer Jam-Session, die zeigt, was man alles aus einem solchen Song herausholen kann und welche Facetten er hat.

Traditionell dann wieder der Endspurt, in dem einige Songs mit „Fuck the establishment“-Attitüde und entsprechender Anmoderation zum Einsatz kommen. „Auf gute Freunde“ ist dann die letzte reguläre Nummer des Sets, läutet aber gleichzeitig den geballten onkelz-Hit-Reigen im Zugabenblock ein: „Mexico“ wurde schon weit vorher stürmisch gefordert, „Erinnerung“ ist immer für spontane Gänsehaut gut, und das „Signum des Verrats“ habe ich schon Ewigkeiten nicht mehr live gehört. Sehr geil. Auch hier muss man sagen: Sehr solide gezockt.

Die gute-Laune-Nummer „So sind wir“ ist dann der Schlussakkord unter einem 2-stündigen Auftritt, der völlig ohne überflüssigen Schnickschnack auskommt. Nicht einmal Merchandising wird verkauft. Alles aufs Wesentliche reduziert. Sieht man auch nicht mehr allzu oft. Ich jedenfalls kann sagen, dass mir dieser Auftritt durchgehend Spaß bereitet hat, und diese Meinung dürfte der Großteil der Zuhörerschaft teilen.


www.youtube.com/v/P0fKmO5Iriw


Setlist:

Vom ersten Blick zum letzten Kuss
Ja, nee, is’ klar!
Das Feuer
Zuflucht vor dem Sturm
Heilige Lieder
Gegen eure Lügen
Barra Da Tijuca
Träumer
Finde die Wahrheit
Helden leben lang
Regen
Gedankenpolizei
Tage des Donners
Sekt oder Selters
Auf gute Freunde
Wir ham’ noch lange nicht genug
Mexico
Erinnerung
Signum des Verrats
So sind wir

Eisen-Dieter

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