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Live-Reviews

Wacken Open Air 2011 - Wacken (03.08.2011 - 06.08.2011)
Nun also etwas verspätet mein W:O:A-Bericht. Zum 4. Mal in Folge war ich dort.
Los geht’s mit dem

Mittwoch

Anreisetag. Gegen 7 Uhr mache ich mich auf den Weg, um mich hinter Hamburg mit meinen ersten Mitstreitern zu treffen. Dies verlief ebenso problemlos wie die Anreise und der Zeltaufbau, was einige Vorteile mit sich brachte: Man kam schon zur Mittagszeit dazu, die ersten, noch kühlen Getränke zu vernichten, und konnte sich schon am frühen Nachmittag das Festival-Bändchen zulegen. In den Vorjahren kamen wir dazu meist erst gegen Abend, wenn die Bändchenausgabe hoffnungslos überfüllt war. Das war sie diesmal allerdings auch – die Idee hatten also scheinbar mehrere Leute. So konnten wir uns zumindest schon mal mit Festival-Shirts eindecken, die zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise noch nicht ausverkauft waren ( auch wieder aus den Fehlern der Vorjahre gelernt ).
Schließlich drängelten wir uns bei der Bändchenausgabe einfach vor ( ich weiss, nicht die feine englische Art, aber es gehen weniger Zeit und Nerven dabei drauf ), um nicht noch weitere wichtige Trinkzeit zu verlieren. In der Warteschlange verwickelten wir diverse Leute in tiefgründige Gespräche über Superhelden wie He-Man usw. ( war Teela jetzt seine Frau und Sheela die Schwester oder umgekehrt?? ).
Wie dem auch sei, aus dem ursprünglichen Plan, Mambo Kurt und die Wacken Firefighters zu sehen, wurde nichts. Im Endeffekt habe ich an dem Tag gar keine Band gesehen, da ich ich es für wichtige hielt, unsere Zeltnachbarn bei einem oder mehreren Getränken besser kennenzulernen. Und es kam so, wie es kommen musste: Der Tag endete im Planschbecken
( war eigentlich zur Kühlung der Getränke vorgesehen ), von wo aus meine Wenigkeit den DJ gab ( Stichwort: „Durstige Männer“ – und der halbe Campingplatz gröhlt mit ). Der erste Abend endet somit verhältnismäßig früh um Mitternacht.

Donnerstag

Kater. Kopfschmerzen. Hunger. Nachdem ich meine Hose wiedergefunden hatte ( lag sinnigerweise neben dem Planschbecken ) und einige Aspirin später machten wir uns auf den Weg zum Gelände, Essen fassen und die Beergarden Stage inspizieren. Hier gaben sich zur Mittagszeit die Mannheimer EdelWeiss die Ehre. Die sympathische Truppe covert AC/DC-Hits und versieht das Ganze mit deutschen Texten, was durchaus ins Bein geht und Laune macht. So vergeht die Stunde mit Songs wie „Freibier aber schnell“ ( „Highway to hell“ ), zu dem auch eine Galone Freibier verteilt wurde, im Flug.
Von Bülent Ceylan habe ich dann leider nur noch das Ende mitbekommen, konnte mir danach aber einen guten Platz für Frei.Wild sichern. Auf CD eigentlich nicht so mein Fall, konnten mich die Südtiroler live bislang jedes Mal überzeugen. Schon erstaunlich, die Entwicklung dieser Band, vergleichbar vielleicht mit Volbeat. 2009 hatte mich mein Kumpel mit ins Zelt geschleppt, wo Frei.Wild eine Secret-Show spielten, im Jahr darauf war es schon die Party Stage – und nun, im dritten Wacken-Jahr in Folge, die Black Stage, immerhin die zweitgrößte Bühne des gesamten Festivals. Wie gesagt, ohne meinen Kumpel Thorsten hätte ich mir die nie angeguckt und –gehört. Die Reaktionen, die die Band hier erhält, sind überwältigend. Schon erstaunlich. Eigentlich erinnert alles bei dieser Band an die Onkelz. Aber vielleicht macht auch gerade das ihren Erfolg aus. Guter Auftritt jedenfalls, wie in den Vorjahren.
Anschließend wurde ich genötigt, mir Helloween zu geben – allerdings nur einen Song lang, denn schon der Opener „Are you Metal?“ musste 2 mal wegen Stromausfall unterbrochen werden. Der Sänger nahm’s mit Humor. Später konnte ich vom Biergarten aus noch „I want out“ ausmachen. Biergarten ist das Stichwort. Hier verbrachten wir anschließend eine ganze Weile, und so schauten wir uns auch Blind Guardian von dort aus an.
Die Jungs haben nach meinem Dafürhalten eine solide Show hingelegt, mit Highlights wie „The Bard’s Song“ etc.
Danach haben wir unsere faulen Ärsche doch noch bequemt, um einen passablen Platz bei Ozzy Osbourne zu ergattern. Dies gelang auch, und zur allgemeinen Verwunderung sprang der Meister gleich 5 Minuten vor dem offiziellen Showbeginn über die Bühne.
Offensichtlich gut gelaunt und mit Spaß inne Backen feuerte der Madman, angetrieben von einer unglaublich tighten Begleitband ( herausragend: Schlagwerker Tommy Clufetos, der auch später noch ein Solo zum Besten gab ) direkt „I don’t know“ in die Menge, und mischte im weiteren Verlauf der Show auch immer wieder Black-Sabbath-Hits wie „Paranoid“ und „War Pigs“ unter seine Solo-Ergüsse. Die ersten Reihen schäumte Ozzy dann auch zeitnah per Feuerwehr-Schlauch ein. Erstaunlich gute Show, vielleicht etwas zu kurz geraten.

Freitag

Besser kann ein Tag eigentlich nicht beginnen: Zur Einstimmung auf ST wird in unserem Pavillon Melonen-Bowle zubereitet und im weiteren Verlauf des Tages immer wieder neu aufgegossen. Glücklicherweise schalte ich schnell und verlasse dieses Szenario rechtzeitig, um die Suicidal Tendencies von ganz vorne zu erleben. Und – was soll ich zu dieser Show großartig sagen? Vermutlich lässt die Tatsache, dass ich zu ersten Mal in meinem Leben als Crowdsurfer in Erscheinung getreten bin, alle weiteren Worte überflüssig werden. Kompliment an die Security, die haben dieses Jahr einen Bomben-Job abgeliefert.
Während ST Großtaten wie „You can’t bring me down“ ( direkt als Opener ) und „Pledge your allegiance“ feilbieten, lasse ich mich erneut von den Händen der Leute Richtung Security tragen und mische im Circle-Pit mit. Macht definitiv Spaß. Genau wie der Auftritt der Crossover-Legende. Absolutes Highlight!
Um bei Judas Priest einen guten Platz zu erwischen, bin ich so früh vor der Bühne, dass ich noch die letzten Zuckungen von Heaven Shall Burn mitbekomme. Mein Fall war die Band noch nie, einzelne Songs wie „Endzeit“ sind ganz geil, aber vom Hocker reisst mich diese Combo nach wie vor nicht. So auch heute.
Dann ganz anders Priest: Von Beginn an versteht es diese lebende Legende, die Leute mit einer denkwürdigen Performance mitzureissen. Ich sehe die Band heute zum ersten Mall live, und das, obwohl ich schon ewig Priest höre. Die Setlist gleicht einer Göttergabe, es regnet Hits. „Breaking the law“, „Painkiller“, „Living after midnight“... Die Liste ist endlos.
Noch ein absolutes Highlight!
Im Anschluss geben sich John Garcia und Kyuss Lives! auf der Party Stage die Ehre.
Den Set sehe ich leider nur zur Hälfte, denn ich musste abwägen: Welcher Song ist der bessere, „Green machine“ oder „Halb und halb“? Ich entschied mich für letzteren ( zumal ich wusste, dass Jens noch einen Bericht über das Kyuss-Konzert in Hamburg schreibt ;) ) und begab mich ins Bullhead City Wrestling Zelt, um auf die Excrementory Grindfuckers zu warten. Ein Blick ins Rund: Cooles Teil! Von der Bühne aus führt eine Art Catwalk ins Publikum, welchen die Band auch direkt nutzte, um schon beim Soundcheck CDs und T-Shirts an die Meute zu verteilen, und das Publikum erst zu beleidigen und dann zu loben. Spaßige Angelegenheit, ebenso wie der anschließende Auftritt der Truppe.
„Halb und halb“ kommt zur Hälfte des Sets, die Leute flippen komplett aus.
Auch hier gilt: Klasse Auftritt, die als Grindcore-Versionen dargebotenen Schlager machen live richtig Laune.



Samstag

Die Melone hat glücklicherweise keine bösen Nachwirkungen, und so komme ich in den Genuss, mir um 14 Uhr The Haunted auf der Party Stage geben zu können. Die Spielzeit ist mit 45 Minuten viel zu knapp bemessen, und so konzentrieren sich die Schweden darauf, ausschliesslich Hits in die schon zahlreich anwesende Anhängerschaft zu feuern. „Never better“, „99“, „The Flood“ und „The Medication“ als Einstieg – viel großartiger geht es einfach nicht. Vom aktuellen Album „Unseen“ schaffen es 3 Songs ins Programm. Die Band versteht es, die kurze Spieldauer zu nutzen – die Zuschauer und –hörer danken es dem Quintett mit amtlichen Circle- und Moshpits. Ganz feiner Auftakt!
Nun folgen 2 ganz spezielle Kapellen:
Zum Einen Dir En Grey aus Japan auf der True Metal Stage ( welch Ironie ), die ein sehr einzigartiges Schauspiel abgeben. Die Musik ist sicherlich nicht Jedermanns Sache, aber mir hat der Auftritt sehr gut zugesagt. Daumen hoch.
Zum Anderen Knorkator, Deutschlands meiste Band der Welt. Die Leute stapeln sich förmlich vor der Party Stage, um den wiedervereinten Haufen zu Gesicht zu bekommen.
Zu Recht: Die Truppe macht immer wieder Spaß. Ob altbekannte Evergreens ( „Böse“ ), Coverversionen ( „All that she wants“, „Ma Baker“ ) oder komplett neue, noch unbekannte Songs ( „Refrain“ ) – das partywillige Auditorium feiert die Berliner nach allen Regeln der Kunst ab. Sänger Stumpen fordert die Leute auf, den Partner huckepack zu nehmen, damit diese dann pogen können. 2 Minuten später sollen alle Handstand machen – Spaß für ne Mark. Jederzeit wieder.
Dann Kontrastprogramm ( schon wieder ) direkt im Anschluss auf der True Metal Stage:
Iced Earth schicken sich an, ihre letzte Show mit Sänger Matt Barlow zu geben.
Auch hier empfinde ich die Spielzeit von nur 60 Minuten als Frechheit.
Sei’s drum, John Schaffer und Co. ballern eine sehr eigenwillige Setlist ins Rund.
„Melancholy ( Holy Martyr )“ und „Watching over me“ fehlen, dafür kredenzt man dem geneigten Zuhörer Pelen wie „I died for you“, „The Hunter“ und die komplette „Something wicked“-Trilogy. Immer wieder zaubert Barlow den Anwesenden mit seinem Gesang Gänsehaut auf den Pelz, und beim Gedanken, diese Songs nie wieder so erleben zu können, kommt mehr als einmal Wehmut auf. Tolle Geste noch von der Band, die Matt verabschiedet, ihm eine Rede widmet, umarmt und „Matt fucking Barlow“-Shirts überzieht. Überziehen ist ein gutes Stichwort, die Band zockt 5 Minuten länger als vorgesehen. Cooles Ding, unvergessliche Show.
Bei der Avantasia-Show, der Metal-Oper von Tobi Sammet ( Edguy ), geben sich dann Gäste wie Michael Kiske und Kai Hansen die Klinke in die Hand. Auch nicht übel.
Auf der Black Stage ballern im Anschluss bei einbrechender Dunkelheit Kreator Göttergaben wie „Hordes of chaos“, „Pleasure to kill“ und „Flag of hate“ Richtung Acker. Leider auch nur eine Stunde lang. Und die ist definitiv viel zu schnell vorbei.
„We are Motörhead – and we play Rock’n’Roll!“ – Lemmy betritt die Bühne und haut direkt mal zu Anfang “Iron fist” raus – fabelhaft! Die Show ist im weiteren Verlauf solide – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich habe Motörhead schon besser gesehen, aber auch schlechter. An den Wacken-Auftritt von 2009 kommt die heutige Show leider nicht ran.
Und damit endet das Festival auch für uns – bei beschissenem Wetter ( mit Verlaub gesagt ).
Den Children of Bodom-Auftritt kriegen wir auch auf dem Zeltplatz noch ganz gut mit
( Setlist muss ziemlich gut gewesen sein ).

Die Abreise am Sonntag zieht sich ewig hin, die Campingplätze sind völlig matschig und die Ausfahrten dicht. So brauche ich für die Rückfahrt geschlagene 9 Stunden – bei 270 km.
Das ist dann allerdings auch das einzig Negative, was ich neben den teilweise zu kurzen Spielzeiten zu bemängeln habe. Die positiven Aspekte überwiegen eindeutig:
Großartige Auftritte großartiger Bands, hervorragend zusammengestelltes Billing, ein hervorragend organisiertes Festival, viele coole neue Leute kennengelernt ( Hallo Kim ;D ), Preise für Getränke + Essen waren vertretbar, für Merch ebenso. Auf die Preise einzelner Bands ( 30 Tacken für Shirts von Ozzy, Priest, Motörhead ) haben die Veranstalter sicherlich keinen Einfluss.

Beste Situation auf dem Campground: Die Nachbarn nerven mit übelster Musik und Werbeeinspielern. Als dann Unheilig ertönt, rollen ALLE Leute in unserem Pavillon gleichzeitig mit den Augen und es ertönt im Kanon: „Stell die Scheisse ab!“ :D

In diesem Sinne: Das Ticket für nächstes Jahr ist bereits bestellt!

Links:
Wacken Open Air 2011

Eisen-Dieter

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