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Long Distance Calling - "Eraser" (earMusic)


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Long Distance Calling
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Wo Long Distance Calling draufsteht, ist auch Long Distance Calling drin. Diese Aussage stimmt soweit und mit „Eraser“ veröffentlicht die Münsteraner Post-Rock-Band ihr nächstes Album. Jedes Album hat seinen eigenen Stempel und thematisch werden unterschiedliche Bereiche bearbeitet. War es zuletzt das Thema Künstliche Intelligenz, so ist es auf „Eraser“ weitaus konkreter. Jeder Song beschäftigt sich mit einer vom Aussterben bedrohten Tierart.

Das wunderbare Intro „Enter – Death Box“ ist der Beginn einer intensiven Klangreise, welche uns zuerst zu den Nashörnern führt und diese in „Blades“ in den Fokus nimmt. Allein in Südafrika wurden 2021 über 450 Nashörner bestialisch getötet – Tendenz steigend. Der Song ist wie ein Truck, der sich den Weg in die Gehörgänge sucht. Mit „Kamilah“ folgt dann ein bereits ausgekoppelter Song, der sich den Gorillas widmet und bereits seit einigen Wochen durch diverse Playlists läuft.
Soundtechnisch sind Long Distance Calling wieder sehr organisch und druckvoll unterwegs. Die Aufnahme ist grandios und lädt ein auf einer tollen Anlage gehört zu werden…oder bald live gehört zu werden.

„500 Years“ ist der nächste Song und thematisiert die Situation des Grönland-Hai. Dieser Song ist mein Favorit auf der Scheibe. Er beginnt recht ruhig und man könnte fast meinen, Walgesänge ebnen den Weg in den Song. Nach einigen Sekunden kippt es aber ein wenig und ich habe eine Assoziation, denn ich fühle mich an die Titelmelodie / Theme des Films „28 Days Later“ erinnert. Der Song ist mit über 7 Minuten recht lang, ist aber sehr abwechslungsreich und gefällt mir ausgesprochen gut.
Mit „Sloth“ wird das Tempo und auch die direkte Intensität ein wenig runtergefahren und wie für ein Faultier gewöhnlich, fahren wir hier mit wunderbar eingestreuten Saxophon Klängen einen Gang zurück und entschleunigen uns ganz im Stile eines Faultiers.

„Giants Leaving“ beschäftigt sich mit dem Albatros wurde auch bereits ausgekoppelt und ist seit geraumer Zeit als Video verfügbar. Der Song ist recht kurz und knackig, macht Spaß und man schaltet direkt wieder einige Gänge höher. Schöner Beat, wunderbare Melodie – kommt alles direkt auf den Punkt.
„Blood Honey“ ist dahingehend fast selbstredend und hat das große Thema Bienen auf dem Schirm. Der Song beginnt sehr träge und anmutend, wird aber mit der Zeit immer frickeliger und intensiver. Der Track ist sehr abwechslungsreich, eignet sich in meinen Augen schwerer für eine Live-Umsetzung als die bisherigen auf dem Album.
„Landless King“ läutet dann den letzten Song mit einem Geschöpf aus dem Tierreich ein und der Tiger ist hier ein wunderbares Tier, um auf das ganze Thema aufmerksam zu machen. Es leben aktuell keine 4000 Tiger in freier Wildbahn, aber annähernd 20.000 in Gefangenschaft…warum?
„Eraser“, als Titelsong, definiert dann das richtige Ende und es geht hier um den Menschen…genau jenes Geschöpf, welches dafür verantwortlich ist, dass die eben beschriebenen Tiere alle vor dem Aussterben bedroht sind. Dieser Song wurde auch schon in einem eindrucksvollen Video in Szene gesetzt und beendet die fast einstündige Reise der Münsteraner.
„Eraser“ als komplettes Album ist ein sehr starkes Stück Musik. Die reinen Songs (ohne Hintergrundwissen) zaubern mir durch ihre Intensität, den Abwechslungsreichtum und den starken Sound oft ein sehr breites Grinsen aufs Gesicht – vor dem Hintergrund der Albumthematik lässt es Einen aber nachdenken und ist hoffentlich der Zündschlüssel, um endgültig aufzuwachen.

9 | 10 - Jens Krause

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