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Benzin - "Auf los geht’s los" (Global Records / Rough Trade)


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Benzin
Global Records / Rough Trade
Traditionen sind was schönes. Und irgendwie hat sich bei mir die Tradition entwickelt, jedesmal, wenn wieder neues Material aus dem Hause Benzin ansteht, dieses – nach sofortigem Abhören und dem festen Vorsatz, den Jungs umgehend ein bomben Review zu schreiben – erstmal für mindestens vier Wochen von einem Stapel auf den anderen umzuschichten und die ganze Sache zu verschlampen. Eigentlich unverständlich, schließlich haben es die Herren von der Schwäbischen Alb bisher mit jedem Output irgendwie in meine persönlichen Jahres-Top-10 geschafft.
Ok, die vier Wochen sind nun also um: „Auf los geht’s los...“ Rein mit der Platte und schnell das Review geschrieben...
Und schon nach den ersten Tönen des Titeltracks wird klar: Kalle Karacho und Konsorten haben nichts verlernt, spielt frisch und fröhlich auf und bleibt dabei ihrem altbewährten Jekyll-und-Hyde-Punkrock treu, der einerseits mit eingängigen Punkrock-Hymnen im Stile der Donots aufwartet – auch wenn das Reisebudget diesmal nicht mehr für „Tijuana“, sondern nur noch für „Cottbus im Regen“ reicht, ist man trotzdem „hier um die Welt zu retten / nicht weniger und nicht mehr, nur so ungefähr“ („Wir sind hier“). Das gelingt den Jungs auch tadellos – insbesondere, wenn es darum geht das alte Motto „Reim dich oder friss dich“ mit massenweise Wortwitz („Sonnenaufgang“) und verbogenem Reimschema („Laut!“) umzusetzen. Gut, etwas Anbiederei an die anstehende Fußball-EM leistet man sich mit „Maradona“ auch noch – aber letztendlich will ja jeder Platten verkaufen und ich hab den tieferen Sinn der Nummer eh nicht verstanden.
Auf der anderen Seite lässt man sich aber auch viel Platz für melancholisch-nachdenkliche Nummern, wie „So weit weg“, ist dabei meist auf der Flucht vor der Enge des alltäglichen („Stadt“, „Mein Plan“), wirkt aber auch manchmal vielleicht etwas zu überambitioniert („Endorphine“). Und um das Ganze noch zu toppen, hat man für „Fallschirm“ weder Kosten noch Mühen gescheut und gleich ein halbes Streichorchester engagiert.
Wenn man an dem Album einem Makel finden will, muss man schon lange suchen – die Mischung stimmt und handwerklich leisten sich Benzin sowieso keinen Schnitzer. Zu bemängeln bleibt da höchstens noch, dass die jugendliche Ungestümheit des Frühwerks mittlerweile einer gewissen Abgeklärtheit gewichen ist – aber schließlich wird jeder älter und damit nicht unbedingt schlechter.

Also: Ab in den Plattenladen und „Auf los geht’s los“...

9 | 10 Punkten - Holger

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