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Volbeat - "Outlaw Gentlemen & Shady Ladies" (Vertigo / Universal)


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Volbeat
Vertigo / Universal
Ich habe noch nie eine Band gesehen, die sich derart schnell und zielstrebig nach oben bewegt hat wie die Dänen von Volbeat. Ich kann mich noch gut an die ersten Gigs in Deutschland erinnern, als Volbeat im Ballroom in Hamburg vor vielleicht 50 zahlenden Gästen ihre ersten Deutschland-Auftritte gemacht haben. Als sie dann etwas später als Opener für Raunchy und Hatesphere auf Tour waren - das waren alles intime Größenordnungen und alles auf Basis der ersten Scheibe "The Strength / The Sound / The Songs", die für mich bis heute ein Meilenstein der Musikgeschichte ist. Doch schon zu der Zeit war zu erkennen, dass es sich hier um einen Rohdiamanten handelt, der mit ein wenig Glück und konstantem Touring auf den Musikolymp klettern kann. Die Touren wurden immer größer, Volbeat war längst kein Geheimtipp mehr und man begann auch international für Furore zu sorgen.
Inzwischen wurden alle großen und wichtigen Festivals gespielt, man war mit Bands wie Metallica, Motörhead und Co auf Tour und jeder hört Volbeat. Boxfan Poulsen beschenkte sich selber, indem er mit "A Warrior's Call" die Einlaufhymne für den dänischen Boxer Mikkel Kessler komponierte, dieser Guestvocals beisteuerte und nun auch für Poulsens Fitness verantwortlich ist. Liest sich ja irgendwie fast wie im Märchenbuch und im Grunde ist das Märchen noch lange nicht zu Ende.
Wir schreiben 2013 und die Musikwelt wartet sehnsüchtig auf die neueste Langrille der Dänen, die nun mit dem ehemaligen Anthrax-Gitarristen Rob Caggiano einen neuen und im Grunde wirklichen Lead-Gitarristen in ihren Reihen haben. Auf "Outlaw Gentlemen & Shady Ladies" tritt er zudem als Co-Produzent auf. Nun aber mal los mit der Betrachtung der neuen Scheibe, die mit einem sehr schönen Cover aufwarten kann.
Nach einem recht langen Intro ("Let's Shake Some Dust") folgt mit "Pearl Hart" der eigentliche Opener, welcher in recht relaxtem Fahrwasser daherkommt. Mit "The Nameless One" geht es dann genauso relaxt weiter, die Jungs haben die Handbremse nach wie vor angezogen und bieten den typischen Mitklatschfaktor, ein paar schöne Gitarrenriffs und den Poulsen-typischen melodischen Gesang. "Dead But Rising" beginnt fast wie die bereits erwähnte Box-Hymne "A Warrior's Call" und endlich kommen die etwas älteren Volbeat-Trademarks: Power + Groove + schöne Melodiebögen durch. Na also, geht doch, obwohl auch hier wieder Wert auf Midtempo und Mitklatschgarantie gelegt wird. Aber ok, man fängt also langsam an in die richtige Richtung zu rudern. Nun folgt mit "Cape Of Our Hero" die erste Single-Auskopplung, die zwar irgendwie schön, aber ziemlich balladesk und etwas sehr schmachtig daherkommt - ein typischer Radiosong halt. Ziemlich doomig geht es bei "Room 24" los, auf welchem kein Geringerer als King Diamond Guestvocals beisteuerte. Der Song hat Drive, der Song drückt - macht mir dann schon Spaß, kommt zwar nicht an die damalige Kooperation mit Napalm Death-Barney bei "Evelyn" ran, aber ist schon eine feine Sache. King Diamond und Michael Poulsen teilen sich die Vocals geschickt auf und King Diamond kommt in bester "Abigail" Manier daher - rundes Ding.
Mit "The Hangman's Body Count" folgt dann endlich wieder ein recht zügiger Sound (zumindest in Teilen), der den nötigen Drive hat und auch zu gefallen weiß. Rob Caggiano kann sich hier auch endlich mal ein wenig austoben, bis jetzt konnte man davon leider noch nicht so viel von hören. Mit "My Body" folgt ein astreines Coverstück von Young The Giant. Selbst das Original könnte schon von Volbeat sein. Wobei ich hier zugeben muss, dass mir das Original etwas besser gefällt. Aber es ist schon schräg, wenn man das Original hört und denkt "klingt wie ein typischer Volbeat Song". "Lola Montez" ist gesanglich wieder im typischen Volbeat Fahrwasser und allgemein ist hier mal wieder ein sehr relaxter Radiosong entstanden, dem in meinen Augen der Drive fehlt. Er plätschert halt so daher und tut nicht weh, aber so richtig kickt er mich auch nicht. Man kann fröhlich mitklatschen, aber das war es dann auch. "Black Bart" nimmt dann endlich mal wieder so ein wenig Fahrt auf und erinnert wieder an die Zeit der ersten beiden Alben, wo dieser Drive und das Tempo häufiger vorkamen. Und "Oh Wunder" - das Tempo wird bei dem Song auch fast die ganze Zeit auf Pegel gehalten, klar gibt es den gewohnten kurzen Melancholiepart, bevor er am Ende wieder Fahrt aufnimmt - so gefällt mir das. Dann kommt das sehr country-lastige "Lonesome Rider", welches auf dem letztjährigen Wacken Open Air schon mit kultigem Kontrabass-Einsatz zum Besten gegeben wurde. Gastgesang auf diesem Track von Sarah Blackwood (ex. The Creepshow). Dieser bietet eine solide Mischung aus Rockabilly und etwas Country. Mit "The Sinner Is You" folgt dann ein sehr entspannter Song, der aber auch leider nicht so recht aus dem Quark kommt. Poulsen fährt hier zwar das große Melodiequartett auf, aber dieser Song gehört definitiv nicht zu den besseren Songs, schade. "Doc Holliday" beginnt dann wie der Soundtrack zum nächsten Tarantino-Western, bevor schon fast metal-artige Gitarren, ja man kann sogar fast thrashige Gitarrensalven, auf einen niederprasseln (ok, so heftig dann doch nicht). Leider auch hier wieder ein schwächerer Song, bei dem zwar recht episch und viel "ooooohhhhs" gedoppelt usw. werden, aber gut, einer der schwächeren Songs, bei dem auch die schöne Gitarrenarbeit nicht mehr so viel retten kann. Das große Finale beginnt dann mit einem fast "Spiel mir das Lied vom Tod" Mundharmonika Intro, bevor sich Poulsen hier durch den Song schleppt und Melancholie der Focus des ganzen Songs ist. Tempomässig erster Gang ohne auf der Kupplung zu stehen. Getragene Vocals, sehr balladesk angehaucht - schon besser aber auch anders als "Cape Of Our Hero". Im Grunde ein recht schöner Song, aber irgendwie fehlt es auch hier so ein wenig an Pep. Und dann ist die Scheibe zu Ende...
Puuuh - auch nach mehrfachen Durchläufen, bei welchen die Scheibe zwar wächst, will sie nicht so recht zünden. Zu glatt und ohne irgendwelche Ecken und Kanten kommt das Album daher. 80% der Songs kann man bedenkenlos im Radio spielen und zwar zu jeder Tageszeit, so glatt und seicht sind sie. Bis auf ein ganz paar Ausnahmen ist mir hier die Power und der Drive und der Druck, den Volbeat seinerzeit ausgemacht hat, völlig abhanden gekommen. Ansonsten wird das Ding natürlich funktionieren, die Charts erobern und auch die Presse wird es in großen Teilen als Weiterentwicklung und weiß ich was abfeiern, aber mir persönlich ist es zu seicht, zu glatt - ja irgendwie nicht das erhoffte Highlight. Platte des Jahres wird sie bei mir aber sicherlich nicht. Mensch Jungs wo ist die Power, wo wo ist der Groove, wo ist der Drive der Euch jahrelang interessant gemacht hat? Klar könnt Ihr schöne Melodien machen und Michael Poulsen gehört in diesem Bereich sicherlich zu den Großen seines Fachs, aber kommt doch bitte mal in Wallungen - Ihr könnt das doch - solche Kracher wie "Rebel Monster", "Fire Song", "Radio Girl", "Evelyn" oder "The Mirror And The Ripper" und und und habt Ihr doch damals so aus dem Ärmel geschüttelt. Weil ihr mir in den letzten acht Jahren oftmals eine gute Zeit (und unzählige Gigs) beschert habt, gebe ich Euch mit zwei zugedrückten Augen gerade noch so....

7 | 10 Punkten (Tendenz nach unten) - Jens Krause

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